Sie sind hier: Startseite Aktuell Mehr... Langzeit-Archiv Startseitenbeiträge Reformationsjubiläum

Reformationsjubiläum

Der Zug rollt: Die Kirchensynode bewilligt einen Fonds für Projekte zum Reformationsjubiläum.

Die Zürcher Landeskirche rüstet sich für 500 Jahre Reformation. Das grosse Jubiläum soll im Kanton Zürich in den Jahren ab 2017 begangen werden. Kerndatum ist der Amtsantritt Zwinglis am Grossmünster am 1. Januar 1519. Im Zentrum der Vorbereitungen stehen zurzeit die Zielperspektiven, die gemeinsame Projektplattform mit Stadt und Kanton Zürich sowie Finanzierungsfragen. Für die zahlreichen Jubiläums-Projekte hat die Kirchensynode einen Projektfonds bewilligt, der 2015 mit 800‘000 Fr. und in den Folgejahren mit je 500‘000 Fr. geäufnet werden soll. Zudem ist Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist erster Reformationsbotschafter.

500 Jahre Reformation sind zwar auch ein Grund zum Feiern. Die reformierte Landeskirche möchte das grosse Jubiläum jedoch vor allem für einen umfassenden Reflexionsprozess nutzen. In einem Bericht an die Kirchensynode legt der Kirchenrat seine Zielperspektiven für das Jubiläum dar. Sie umfassen verschiedene Bereiche wie Bildung, Bekenntnis, Erneuerung oder Versöhnung. Bezüglich Bindung beispielsweise sollen «Männer, Frauen und Kinder unterschiedlicher Milieus erleben und zu benennen wissen, warum und wozu sie zur Kirche gehören».

Der Bericht führt aus, dass ein solcher Reflexionsprozess unumgänglich sei, befinde sich die Landeskirche doch in einer Zeit des tiefgreifenden Wandels: «Wir sind heute nicht weniger herausgefordert als die Kirche und ihre Leitungspersonen vor 500 Jahren». Ursächlich sei in erster Linie der anhaltende Mitgliederrückgang. Das führe zu abnehmenden Ressourcen, zu Sparzwängen und zu Umstrukturierungen wie der Zusammenlegung von Kirchgemeinden.

Das Jubiläum soll deshalb auch darauf hin befragt werden, «welche Erkenntnisse und Kräfte der Reformation sich für die Gestaltung der Zukunft als tragfähig erweisen». Mit dem Erneuerungspotenzial gehe auch die «Konzentration aufs Wesentliche» einher, die auch der reformierten Tradition entspreche, sich immer wieder zu reformieren. Kirchenratspräsident Michel Müller sagte vor der Kirchensynode, dass das Jubiläum kritische Anfragen an die Kirche mit sich bringen werde, dass aber auch die enorme Wirkung der Reformation in alle Welt erinnert werden solle.

Ein erster grosser Schritt Richtung Jubiläum war im vergangenen März die Gründung der «Projektplattform 500 Jahre Zürcher Reformation» zusammen mit Stadt, Kanton und Zürich-Tourismus. Die Plattform koordiniert übergreifende Projekte und sorgt dafür, dass das Jubiläum nicht ein binnenkirchliches Ereignis bleibt, sondern in die Bevölkerung ausstrahlt und diese partizipieren lässt.

Bereits ist eine ganze Reihe von Projekten geplant, die aber auch finanziert werden wollen. Die Kirchensynode bewilligte zu diesem Zweck einen Projektfonds, aus dem einerseits kircheneigene Projekte finanziert werden und anderseits die Finanzierungszusagen gegenüber dem Lotteriefonds, der übergreifende Projekte mittragen soll, gewährleistet werden. Für 2015 beträgt die Einlage 800‘000 Franken, in den Jahren 2016–2019 je 500‘000 Franken.

Zur öffentlichen Ausstrahlung des Reformationsjubiläums sollen schliesslich auch Gesichter beitragen. Die Kirchensynode folgte dem kirchenrätlichen Vorschlag, Botschafterinnen und Botschafter für das Jubiläum zu ernennen – analog zur Rolle von Margot Kässmann in Deutschland. Erster Zürcher Botschafter ist seit dem Reformationssonntag Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist.

«KirchGemeindePlus» auf dem Prüfstand

Das Projekt «KirchGemeindePlus» zielt ab auf eine Reduktion der heutigen Anzahl Kirchgemeinden. Der Kirchenrat hat es im Herbst 2012 aufgrund des anhaltenden Mitglieder- und Ressourcenschwundes lanciert. In der Zwischenzeit sind in allen Bezirken entsprechende Prozesse in Gang gekommen und teils auch schon abgeschlossen worden. Im vergangenen September beschloss die kirchliche Stimmbürgerschaft der Stadt Zürich, die bisherigen 33 Kirchgemeinden zu einer einzigen zusammenzufassen.

Im letzten März reichten rund 60 Synodale, also gut die Hälfte des Parlaments, eine Interpellation mit Fragen zu den Ergebnissen des bisherigen Projektverlaufs ein. Insbesondere thematisieren die Interpellanten die Gefahr, vor lauter Strukturdiskussion die Inhalte zu vergessen, oder sie fragen nach den Kriterien zur Beurteilung einer Kirchgemeinde. Für den Kirchenrat ist das Projekt insgesamt auf Kurs, wie er in seiner Antwort darlegt. Trotz der Ablehnung der Kirchensteuerinitiative sieht er die Ausgangslage unverändert, und auch der bisherige Prozessverlauf gebe keinen Anlass für einen Kurswechsel. Im Gegenteil: Die gesellschaftlichen und politischen Prozesse hätten die Entscheidung von 2012 bestätigt, wie Kirchenratspräsident Michel Müller vor der Synode ausführte.

Interpellant Karl Stengel, Feldmeilen, war mit der Antwort allerdings nicht zufrieden, sie sei oberflächlich und vage. Es würden die langfristigen inhaltlichen Ziele fehlen, grössere Verbände seien aufwendiger zu steuern und zudem nicht kostengünstiger. Und schliesslich entstehe die Gefahr eines Exodus von frustrierten Mitgliedern. Oder es könnten sich in der ganzen Dynamik Strukturen auflösen, die eigentlich noch tragfähig wären, ergänzte Huldrych Thomann, Benglen.

Auf der anderen Seite des Spektrums wurde demgegenüber gefordert, skeptische Kirchgemeinden stärker auf den notwendigen Prozess zu verpflichten. Kirchenratspräsident Müller wies jedoch mehrfach darauf hin, dass dieser nicht vom Kirchenrat verordnet werde, sondern in der Verantwortung und Autonomie der Kirchgemeinden liege. Dort sei erfreulicherweise viel Aufbruchsstimmung festzustellen. Martin Fischer, Hinwil, illustrierte dies mit einem Stimmungsbild aus seiner Region und forderte: «Mischen wir uns ein, wir sind gefragt!»

Ja zu Kredit für Flughafenpfarramt

Die umfassende Sanierung des Terminals 2 im Flughafen Kloten betrifft auch das seit 1998 bestehende ökumenische Flughafenpfarramt, das vorübergehend in ein Provisorium ausweichen musste. Auf den 1. April 2016 können die neuen Räumlichkeiten in der vollständig erneuerten Check-in-Halle 2 bezogen werden. Am neuen Standort werden Andachtsraum, Accueil, Seelsorge- und Büroräume des Flughafenpfarramtes optimal integriert sein.

Wie bisher wird der Flughafen den Kirchen die Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung stellen. Die Kirchen bezahlen einzig die einmaligen Investitionskosten in Höhe von 340‘000 Franken für die innere Ausgestaltung. Der Anteil der Landeskirche beläuft sich somit auf 170‘000 Franken. Die Hälfte davon, 85‘000 Franken, wird 2015 fällig. Der Betrag wurde von der Kirchensynode ohne Gegenstimme bewilligt.

Willkommenskultur für Flüchtlinge

In einer Erklärung der Religiös-sozialen Fraktion plädierte Jacqueline Sonego Mettner, Meilen, für eine Verstärkung der kirchlichen Willkommenskultur für Flüchtlinge. Hintergrund der Erklärung bildet das unsägliche Elend der Flüchtlinge in den Kriegswirren des Nahen Ostens. Sonego Mettner forderte den Kirchenrat auf, seinerseits auf die Kirchgemeinden zuzugehen und sie zu Gastfreundschaft und Solidarität einzuladen. Gefragt seien insbesondere Integrationsleistungen und Wohnraum.

Artikelaktionen