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Taufe

Taufe - Kinder- und Erwachsenentaufe

(Nachstehendes konzentriert sich auf Zwinglis Taufverständnis)
Angesichts der Täufer, angesichts der Zürcher Reformation, die rund um die Täuferfragen beinah eskaliert wäre, angesichts einer gewissen selbstverständlichen Nähe der Begriffe „Taufe“ und „Zürcher Reformation“ erstaunt zunächst eines: Zwingli scheint von der Tauffrage nicht so sehr bewegt gewesen zu sein. Im Mai 1525 hat er sich zwar in der Schrift „Von der Taufe, von der Wiedertaufe und von der Kindertaufe“ eigens mit dem Thema auseinandergesetzt. Deutlich ist aber fast überall, wo er sich mit der Taufe beschäftigt: Er will beruhigen. – Er findet es eigentlich eher Zeichen eines Missverständnisses, dass sich die reformatorisch Gesinnten deswegen in die Haare geraten.

Dass seine De-Eskalationsstrategie nicht nur ein Gebot der politischen Schlauheit war, sondern vielmehr ein Ergebnis theologischer Überzeugungen, das soll das Folgende erläutern. Es gliedert sich in die Teile: 1) Zwinglis Mühe mit den Sakramenten - 2) Zwinglis Offenheit gegenüber Erwachsenen- und Kindertaufe.

1) Zwinglis Mühe mit den Sakramenten
Dass an der Taufe nicht alles hängen sollte, war für Zwingli im Wesen des SAKRAMENTS begründet. Das Sakrament (für Zwingli, strikt geredet: Taufe und Abendmahl) war ihm ein ZEICHEN (lateinisch: signum).

Erstens hiess dieses Zeichen-Sein: So wichtig kann das ja wohl nicht sein. Darin war er wie mancher seiner humanistischen Zeitgenossen ganz Platoniker: Das Zeichen ist etwas Äusserliches. Was ein Zeichen bezeichnet, existiert völlig unabhängig vom Zeichen (Igel gibt es, ob wir sie nun "Igel" nennen oder nicht). So wichtig also auch die SACHE (lateinisch: res) ist, die wir mit der Taufe bezeichnen: Die Taufe selbst, das blosse Zeichen, mit dem wir auf etwas Wichtiges verweisen, wird dadurch nicht wichtiger. (Das Wort Schatz wird ja auch nicht dadurch wertvoll, dass es Schatzkisten voll Gold, Perlen und Diamanten bezeichnet.)

Zweitens, und das hängt natürlich mit dem ersten zusammen: ein Zeichen BEWIRKT nichts in Zwinglis Sicht der Dinge. Im besten Fall bezeichnet die Taufe also etwas, was tatsächlich passiert ist (Wegwaschen der Sünden, Einpflanzen des Glaubens im Herzen, etc.), im schlechteren Fall fehlt dieses Bezeichnete, - die Taufe aber wird genau gleich aussehen, ob ihr nun eine Realität korrespondiert oder nicht. Es gibt also Getaufte, die nicht glauben und die nicht erwählt sind.

Genauer: Die Sakramente als blosse signa, Zeichen, verleihen keine Gnade, das tut allein der Geist. "Der Geist aber braucht keinen Führer und kein Transportmittel... Wir lesen ja auch in den heiligen Schriften nie, dass Sichtbares, was die Sakramente ja sind, den Geist mit Sicherheit mit sich bringen würde." (aus: Rechenschaft über den Glauben, 1530, zitiert nach: ZS III, p.113)

Bis hierher können wir also festhalten: Auf der einen Seite ist die Taufe als Akt, als Sakrament nur ein Zeichen und deshalb im Extremfall verzichtbar. Auf der anderen Seite bezeichnet die Taufe aber ein Geschehen, eine Realität oder res, das/die absolut entscheidend ist: das Wegwaschen der Sünde, das Einpflanzen des Glaubens ins Herz des Gläubigen.

Zwingli meint keineswegs, was die Taufe bezeichne, sei unwichtig. Im Gegenteil: es war so wichtig, dass es unmöglich an einer Äusserlichkeit wie der Taufe hängen konnte.

Dem ist ein DRITTES anzufügen: Ganz ähnlich lautet Zwinglis Kritik am katholischen und am lutherischen ABENDMAHLSverständnis - auch da will es dem guten Humanisten nicht in den Kopf, dass Gott allenfalls gewisse philosophische Regeln verletzen WOLLEN könnte. Für LUTHER war klar: Wenn Gott WILL, dass durch ein rein äusserliches Unter-Wasser-Tauchen die Sünden abgewaschen werden, dann IST ES EBEN SO. Menschen, die so denken, nennt man Nominalisten: Sie sind eher bereit, ihre philosphischen Überzeugungen hintanzustellen, Gott jedenfalls nicht vorzuschreiben, wie die Welt funktioniere. Zwingli war kein Nominalist, sondern ein ausgeprägter REALIST: Er hielt nichts von den Zeichen, er baute allein auf die res, auf die Realitäten hinter den Zeichen, den Taufbecken und Weinkelchen. Und an diese philosophische Zweiteilung der Welt hatte sich auch Gott zu halten: Auch er musste, folgen wir Zwinglis Argumenten, die Welt in Zeichen und bezeichnete Realia unterteilen.

2) Die Erwachsenen- und die Kindertaufe
Das bislang beschriebene theologisch-philosophische Sakramentsverständnis hat Konsequenzen für Zwinglis sozusagen theologisch-rituelle Taufkonzeption. Diese Konsequenzen sind uns Heutigen wohl recht sympathisch: Zwingli hatte damit nämlich die Freiheit gewonnen, sich ziemlich flexibel zur Erwachsenen- und Kindertaufe zu äussern.

Zunächst zur Erwachsenentaufe: "Obwohl ich durch Hinweise der Alten weiss, dass seit jeher zuweilen auch Kinder getauft wurden, war dies doch nicht so verbreitet wie heute. Vielmehr unterrichtete man sie öffentlich und gemeinsam im Wort des Heilsbotschaft ... Erst als sie dem Glaubensbekenntnis in ihrem Herzen klar zugestimmt und es mit dem Munde bezeugt hatten, wurden sie getauft. Ich wollte, diese Lernmethode würde heutzutage wieder eingeführt." (Aus: Auslegung und Begründung der Artikel, 1523, zitiert nach: ZS II, p.146f.)

So schrieb er 1523, vor der Auseinandersetzungen mit den Täufern: Die Taufe ist hier nachhinkendes Zeichen für etwas, was längst passiert ist: Das Herz hat dem Glaubensbekenntnis nämlich schon klar zugestimmt, der Glaube (und damit die Rechtfertigung) sind installiert, der Taufe bleibt da eigentlich nichts mehr zu tun, sondern nur noch symbolisch für alle sichtbar zu wiederholen, was auf der realen (inneren, der Herzens-) Ebene bereits geschehen ist.

Man beachte zweierlei: Die Hoffnung, die Zwingli in eine rechte Unterweisung setzt: Sie kann Herzen bewegen! Und den Versuch, die Taufe für alle sichtbar zu entwerten, indem sie zu einem Zeitpunkt stattfindet, wo es eigentlich nichts mehr zu tun gibt.

Mit dieser Argumentation lief Zwingli natürlich Gefahr, den Täufern Schützenhilfe zu leisten - und man darf historisch wohl tatsächlich einen Zusammenhang zwischen solchen Äusserungen Zwinglis und dem Aufkommen der Erwachsenen- / Wieder-Taufe in Zürich im Jahre 1525 sehen.

Historisch ist es wiederum so, dass Zwingli in eben dem Moment Argumente für die KINDERTAUFE zu produzieren begann, als die Täufer zum (theologischen und vor allem politischen) Problem wurden. 1524 schrieb er, in "Wer Ursache zum Aufruhr gibt" (Wer? - u.a. die Täufer):
"Nun finden wir auch da (im Alten Testament, MB) nichts zur Taufe, wohl aber zu dem, was an Stelle der Taufe üblich war: die Beschneidung. Diese ist ein Zeichen des vorhergehenden Glaubens, den Abraham schon besass, als er noch unbeschnitten war, wie Römer 4, 11-12 belegt. Dennoch wurde dieses Zeichen ... auch Säuglingen gegeben, die zweifellos nichts vom Glauben wussten..." (zitiert nach: ZS I, p. 370)

Deutlich war damals wohl allen, dass diese Sätze gegen die Täufer gemünzt waren. Ende 1524 war die Täufer-Frage zwar noch nicht eskaliert, aber sie war akut genug, dass alle wussten, wogegen Zwingli redete.

Dennoch lohnt es sich, Zwinglis Überlegung jenseits ihrer Abgrenzungsfunktion gegenüber den Täufern zu betrachten. Es fällt dabei zweierlei auf:

Erstens stellt Zwingli die Taufe in die Traditionslinie der jüdischen Beschneidung - und betont damit noch einmal ihren bloss sekundären, sozusagen illustrativen Charakter angesichts der Realität des Glaubens, bzw. des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Daraus dürfen wohl auch gewisse Folgerungen auf eine Konzeption der Taufe als BUNDESZEICHEN zwischen Gott und dem Christenvolk als erweitertem Volk Israel gezogen werden. 1)

Zweitens folgt daraus aber, dass Zwingli schon 1524 beide Konzeptionen nebeneinander stehen lassen konnte:

Die Erwachsenentaufe, die zeigt, dass Taufen ein sekundärer Ritus ist, der Glauben illustriert, öffentlich zeigt, aber nicht bewirkt. - Und die Kindertaufe, die uns symbolisch deutlich macht, dass Gottes Gnade jenseits unseres Verstehenshorizonts operiert. Ein letztes Zitat aus dem Jahr 1530, als das Täuferproblem nicht mehr akut war, möge diesen - den theologischen - Aspekt von Zwinglis Einstehen für die Kindertaufe belegen: "Nicht nur die Glaubenden, sondern auch die Bekennenden sollen nämlich getauft werden ... Sonst würde überhaupt auch keiner der Apostel irgend jemanden taufen, denn kein Apostel besitzt über den Glauben eines Menschen Gewissheit, der bekennt und sich dazuzählt." (ZS IV, 112f)

Weder wissen wir also je mit Bestimmtheit, ob ein bestimmter Mensch der Gnade des Glaubens teilhaftig ist oder nicht, noch sind wir es, unsere Erziehung, unser Taufen und unsere Katechismen, die jemanden zum Glauben bringen. Das tut allein Gottes Geist in Gottes Gnade.

Eben dafür ist die Kindertaufe ein ausgezeichnetes Zeichen: Hier bekennen wir unsere Inkompetenz in Sachen Andere-zum-Glauben-Bringen und Andere-in-ihrem-Glauben beurteilen.

In dieser Argumentation wird auch deutlich, dass Zwinglis Stellungnahme für die Kindertaufe alles andere ist als ein rein taktisch-politisches Manöver gegen die Täufer: Die Kindertaufe symbolisiert vielmehr zentrale reformatorische Überzeugungen von Gottes Gnade und vom Glauben des Menschen.

Würden wir - wie das die Täufer zu tun drohen - den Glauben oder die Erwähltheit also zu Voraussetzungen der Taufe machen, könnten wir gar niemanden mehr taufen (es sei denn, wir würden uns zu Göttern aufspielen). Und in diesem Sinne eben gilt: Das beste Zeichen gegen diese Form der Hybris, der Selbstüberschätzung und Selbstvergottung ist die Kindertaufe: Da zeigen wir, dass wir wissen, dass wir getrost alles in Gottes Hände legen können - und müssen.

(p.s.: ... und insofern war sich Zwingli dann mit Luther im Sakramentsverständnis doch wieder einig.)

Anmerkungen
1) Ich verzichte hier auf weitere Bemerkungen zum - positiven - Verhältnis Zwinglis zum "Alten Testament". Samuel Waldburger beleuchtet diesen Zusammenhang in seinem Beitrag zur Rolle des "Jüdischen" in Zwinglis Denken und Wirken. Er bestätigt dabei den hier angedeuteten Eindruck.

M. Bachmann am 10. November 1999 (bearbeitet)

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Theater

Zwingli und Theater

Zwingli für Theater?
1. Auch wenn es zu seiner Zeit keine vergleichbaren Projekte gab, für Menschen in einer schwierigen sozialen Situation setzte sich der Reformator jedenfalls tatkräftig ein.

2. Da es für Zwingli keine heiligen Gegenstände oder Orte gibt, hat er kein Problem mit der Profanierung ehemals kirchlich genutzter Räume. In der Reformationszeit wurden in Zürich verschiedene Kirchenräume andern Zwecken zugeführt. (Die Wasserkirche z.B. wurde zum Lagerhaus.)

3. Das möglicherweise vorgebrachte Argument, dass Zwingli gegen ein Theaterprojekt wäre, ist nicht stichhaltig. Wie auch die bildlichen Darstellungen an den Wänden hatte zwar INNERHALB des Gottesdienstes Theater keinen Platz. Da stellte er entschlossen das Wort allein ins Zentrum. Doch gegen Schul- und Bürgerdrama hatte er nichts. Im Gegenteil, er förderte es, sah es als selbstverständliches pädagogisches Mittel (Lernen alter Sprachen, humanistische Bildung, sittliche Vorbilder). So nahmen denn auch zu Zwinglis Lebzeiten und noch ein gutes Jahrzehnt danach die Dramenaufführungen in Zürich zu. Zu einer theaterfeindlichen Stadt wurde Zürich erst nach Zwingli, nicht unter seinem Einfluss.

C. Schnabel am 20. September 1999

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Tod und Testament

Zwinglis Tod und Testament

Dass Zwingli ein Testament hinterlassen hätte, ist nicht bekannt. Seine materielle Hinterlassenschaft ging an seine Frau, später übernahm sein Sohn Ulrich seine Bibliothek. Als "Vermächtnis" können seine gesamten Schriften betrachtet werden.

C. Schnabel am 15. September 1999 (bearbeitet)

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Toggenburg

Toggenburg - Zwinglis Herkunft

Zwinglis Toggenburgische Herkunft
Huldrych Zwingli kam im Toggenburg zur Welt und hatte zeitlebens eine Verbindung mit dieser Gegend. Bereits mit sechs Jahren ging er allerdings zu seinem Onkel nach Weesen, dort besuchte er die Dorfschule. Nachher führte er seine Ausbildung in Basel, Bern und Wien fort, bis er als 23-Jähriger Pfarrer in Glarus wurde. Das Folgende betrifft also v.a. seine ersten Jahre.

Sein Vater war begüterter Bauer und Ammann von Wildhaus und St. Johanns Tal im Toggenburg. Zwingli stammte also von freien Bauern ab, die es gewohnt waren, am politischen Geschehen aktiv Anteil zu nehmen. (Etwa im Vergleich mit Luther ist für Zwingli typisch, dass er von Anfang an nicht nur Theologe sondern auch Politiker war. Dies gab der Zürcher Reformation ihren besonderen Charakter).

Was Zwingli in seiner Toggenburger Zeit geprägt haben dürfte, ist zunächst die Zugehörigkeit zu einer zahlreichen, angesehenen, für damalige Verhältnisse im Gebirge vermögenden Bauernfamilie. Auf sein angestammtes Bauerntum war er zeitlebens stolz: "ich bin nun einmal ein Bauer, ganz und gar". Auch als gelehrter Humanist in Zürich schreibt er mit Hochachtung vom Bauernstand (da schon Adam diesen Beruf ausübte, hat er besonderen Adel). Wichtig war auch das Leben in harter Arbeit und in Genügsamkeit, zu dem die Bewohner des Hochtals gezwungen waren. Das wohl Wichtigste: Seit Generationen war es Tradition in Zwinglis Familie, dass man sich der ehrenamtlichen, verantwortungsreichen Beschäftigung mit öffentlichen Dingen widmete. Dieses politische Bewusstsein erzog ihn zum aktiven Republikaner.

Schon die älteste Zwinglibiographie (Myconius, 1532) vermutet einen Einfluss der Gewalt und Schönheit der Bergwelt um Wildhaus auf Zwinglis Religion. - Ja, Zwingli konnte ergriffen und ehrfürchtig von diesem Gott sprechen, der hinter einer wunderbarer Schöpfung steht - zu belegen sind jedoch solche Zusammenhänge kaum.

Das Toggenburg zu Zwinglis Zeit
Die Grafschaft Toggenburg war ein Zugewandter Ort der Eidgenossenenschaft, jedoch einer ohne Zulassung zur Tagsatzung. Obwohl "Untertanen" das Abtes von St. Gallen (seit 1468) wachten die Toggenburger eifersüchtig über ihrer bestätigten alten freien Verfassung. Dass die Toggenburger auch stolz waren auf ihre bescheidene Stufe in der Eidgenossenschaft, das sehen wir deutlich bei Zwingli, der sich immer voll und ganz als Eidgenosse fühlte. Möglicherweise gerade weil er aus einem "minderen" Gebiet der Eidgenossenschaft kam, war er weniger belastet vom Egoismus der einzelnen Orte; gerade deshalb lag ihm der gemeinsame Bund besonders am Herzen. Zwinglis betonter eidgenössischer, patriotischer Stolz hängt damit zusammen.

Reformation im Toggenburg
Im Toggenburg, das viele Freiheiten genoss, machte die Reformation rasche Fortschritte. Neben vielen anderen evangelischen Predigern war auch Zwinglis eigener Einfluss in seiner Heimat wichtig. Wir wissen, dass er bereits 1519 seinen Brüdern reformatorische Schriften zur Verbreitung sandte und dass er ihnen 1522 eine reformatorische Marienpredigt mit Vorwort widmete. Schliesslich erwies sich seine Botschaft an Landrat und Landsgemeinde von Toggenburg (Juli 1524) als wirksam: Damit machte er seine Lehrmeinungen im Toggenburg bekannt (sola gratia; sola scriptura; Kritik an Papst, Tradition, Opfermesse, Laster der Geistlichkeit, Götzenbilder; Betonung des christlichen Lebenswandels und der Glaubensfreiheit).

Noch im Sommer 1524 verpflichtete daraufhin der Landrat die Pfarrerschaft auf das reformatorische Schriftprinzip. Ein Jahr später widmete Zwingli "dem ersamen und wysen Landrat und gantzer gmeynd der graaffschaft Doggenburg, synen insunders lieben herren und landlüten" eine weitere Schrift: "Von dem Predigtamt". Damit legte er die Grundlage für geordnete reformierte Gemeinden im Toggenburg.

Trotz katholischem Widerstand vollzog sich im Toggenburg der Aufbau der reformierten Kirche zügig - nicht zuletzt dank dem Schutze Zürichs. Anfang 1529 war in allen Kirchen die Reformation durchgeführt. An der Toggenburger Synode 1531 war Zwingli auch anwesend; er wurde herzlich empfangen.

C. Schnabel am 6. August 1999 (bearbeitet)

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Trauerweide

Trauerweide - reformiertes Symbol?

Trauerweiden statt Kreuzen
Die Weide geht als Symbol weit hinter Calvin zurück. - "Weide: Baum oder Strauch, galt in der Antike als unfruchtbar und begegnet mit Bezug darauf, auch noch im Mittelalter, manchmal als Symbol der Keuschheit. Da man ihr unerschöpflich stets neue Zweige abschneiden kann, wurde sie mit der Bibel als nie versiegender Weisheitsquelle verglichen. (...) - Die Trauerweide ist wegen ihrer an rinnende Tränenströme erinnernden erdwärts geneigten Gestalt oft ein Symobl der Totenklage." (So das Herder Lexikon. Symbole. Freiburg i.B. 1991.)

Abgesehen vom naheliegenden Zusammenhang von Trauerweide und Grabstein als Ort der Trauer scheint v.a. die Bedeutung "Bibel als nie versiegende Weisheitsquelle" Sinn zu machen. Dass die Bibel, in der Gott selbst spricht, diese eine, grossartige, nie völlig zu erschöpfende Quelle der Weisheit ist, dies entspricht Calvins Denken.

CS, 12. Juli 1999 (bearbeitet)

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Täufer

Täufer - Wiedertäufer

Zürich ist die Wiege der über Jahrhunderte verfolgten und heute weltweit verstreuten Täufergemeinden. Wie die 1523 vom Grossen Rat gutgeheissene evangelische Kirche waren auch die Täufer Kinder der Reformation.

Die Begründer des Täufertums gehörten ursprünglich zu den treuen Gefolgsleuten Zwinglis. Sie beteiligten sich mit anderen angesehenen Bürgern am gemeinsamen Bibelstudium und an den Übersetzungsarbeiten. Die Heilige Schrift war für sie die alleinige Richtschnur ihres Glaubens.

Konrad Grebel, Sohn des konservativen Ratsherrn, und der als uneheliches Kind eines Geistlichen geborene Felix Manz vertraten dabei den linken und zunehmend radikaleren Flügel von Zwinglis Reformbewegung. Sie bemerkten, dass die Säuglingstaufe nirgends im Neuen Testament erwähnt wird. Wohl aber fanden sie zahlreiche Hinweise auf die Erwachsenentaufe, die von den Urchristen als Akt eines bewussten Glaubensbekenntnisses vollzogen wurde. Die meist jüngeren bibeltreuen Männer verlangten daraufhin die Einführung der Erwachsenentaufe.

Obwohl auch Zwingli in seinen früheren Schriften von der "Taufe an Mündigen" sprach, plädierte er später für die Beibehaltung der Kindertaufe: Diese sei nun einmal so Brauch und aus der Bibel lasse sich weder ein Gebot noch ein Verbot der Kindertaufe ableiten, erklärte er. Zwingli ging es dabei vor allem um die Erhaltung der Volkskirche. Er wollte keine Abspaltung und versuchte seine Reformen mit möglichst breiter staatlicher Unterstützung einzuführen. Deshalb achtete er stets darauf, nicht mit sämtlichen alten Traditionen zu brechen.

Die Taufgesinnten empfanden dies jedoch als Verrat an der Heiligen Schrift. Sie warfen dem Reformator vor, er sei auf halbem Weg stehen geblieben. Nach einer gescheiterten Aussprache versammelten sie sich am 21. Januar 1525 beim ehemaligen katholischen Priester Johannes Brötli in Zollikon, tauften sich gegenseitig und gründeten die erste Täufergemeinde - und damit auch die erste reformierte Freikirche.

Rea Rother (bearbeitet)

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Täuferverfolgung

Täuferverfolgung

Durch die Freikirchengründung widersetzten sich die Täufer nicht nur der Autorität des Staates in Glaubensdingen, sondern auch der Steuerzahlung. Wegen der damaligen Bauernunruhen, die sich vor allem gegen die hohen Zinsen und Abgaben richteten, sah die Zürcher Obrigkeit im Täufertum eine ernsthafte politische Gefahr. Noch im Januar 1525 wurde ein Versammlungsverbot erlassen. Doch die Täufer, die man abschätzig als "Wiedertäufer" bezeichnete, breiteten sich trotz Verboten und ersten Verhaftungen weiter aus. Zu den beiden Führern Felix Manz und Konrad Grebel gesellte sich der Bündner Priester Jörg Cajakob - Blaurock genannt.

Bald setzte die Verfolgung ein. Johannes Brötli (der die ersten Erwachsenentaufen in Zollikon begleitet hatte) wurde aus dem Stadt- und Landgebiet von Zürich verbannt und 27 seiner Gefolgsleute festgenommen. Zwingli versuchte den Gefangenen in "brüderlicher Ermahnung" das Versprechen abzuringen, keine Taufen mehr durchzuführen. Er muss wohl erkannt haben, dass sich die Täufer jeglicher Gewalt enthielten und sich im Grunde nur nach einer Kirche sehnten, die frei von staatlicher Bevormundung war. Doch im unnachgiebigen Widerstand seiner einstigen Kollegen sah er bald auch eine Bedrohung für sein eigenes Werk.

Die Täuferbewegung wuchs schnell. Oft gewährten ihnen die Bauern Unterschlupf. Mit Frauen und Kindern zogen sie schliesslich durch die Stadt und bezeichneten Zwingli als den Drachen aus der Offenbarung Johannes'. Um sich der Festnahme zu entziehen, verschanzten sich die Anführer in der Täuferhöhle in einem schwer zugänglichen Waldabschnitt bei Bäretswil und hielten dort ihre Gottesdienste ab.

Rea Rother (bearbeitet)

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Kirchensteuer-Initiative: NEIN

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Zwingli - der Zürcher Reformator