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Papsttum

Papsttum - Zwinglis Stellung dazu

Auf einer vollständigen Papstliste steht gewöhnlich der Name des Apostels Petrus an erster Stelle, dem dann hunderte Namen folgen. Nach katholischer Lehre hat Jesus Christus das Papsttum eingesetzt [Mt 16 - TN]; die Päpste sind die Nachfolger des Apostels Petrus im römischen Bischofsamt. Die historischen Quellen zeigen jedoch, dass der Bischof in Rom bis ins 4. Jahrhundert noch keine anerkannte Führungsposition in der Gesamtkirche gehabt hat. Eine solche Vormachtstellung ist erst seit dem 5. Jahrhundert nachweisbar.

In den ersten Jahrhunderten festigte sich der Zusammenschluss der Gesamtkirche durch die Synoden und die Metropolitanverfassung: Die Bischöfe einer Provinz versammelten sich regelmässig zur Beratung wichtiger Kirchensachen unter der Oberaufsicht eines Metropoliten, im Westen auch Erzbischof genannt. Unter den Metropoliten oder Erzbischöfen nahmen die Bischöfe von Rom, Alexandrien und Antiochien, dann Konstaninopel allmählich eine besondere Stellung ein (Ansätze zu Patriarchaten). Anders als bei den ersten christlichen Gemeinden strebte die Katholische Kirche immer mehr zu einer hierarchischen Ordnung.

Die Kirche in Rom war von alters her sehr angesehen. Dies lag nicht nur an der Tatsache, dass Rom die Welthauptstadt war, sondern auch am Alter, der Grösse und den zahlreichen Verdiensten der römischen Gemeinde. Immer wieder zeigte die Kirche in Rom eine tatkräftige Sorge für andere Gemeinden und setzte sich stets für die Reinheit der christlichen Lehre ein. Die römischen Bischöfe konnten so ihr Ansehen und ihren Einfluss stetig vergrössern. Der Kirchenvater Tertullian beobachtete diese Entwicklung bereits im 2. Jahrhundert kritisch und verhöhnte den römischen Bischof als „Pontifex Maximus“ (Hohepriester des römischen Reichs, Titel des Kaisers) und „Bischof der Bischöfe“.

Nachdem im 4. Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion erklärt worden war und Kaiser Konstantin als Herr auch über die Kirche herrschte, lag die Idee eines grossen kirchlichen Gegenspielers nahe. Dieser konnte nur ein Obermetropolit sein. Konstantinopel kam nicht wirklich in Betracht, weil der dortige Patriarch der Hofbischof des oströmischen Kaisers war. Auch Alexandria hatte keine Chance, da seine Stellung an Bedeutung verlor. So blieb einzig Rom übrig.

Leo I. der Grosse (440-461) kann als der erste eigentliche Papst bezeichnet werden. Er vertiefte nicht nur die theoretische Begründung des Primats (Vormachtstellung) des Bischofs von Rom (mit der Bibelstelle von Matthäus 16, 18), sondern konnte seinen Führungsanspruch auch mit einer erfolgreichen Kirchenpolitik behaupten.

Beim Papsttum handelt es sich klar um eine spätere Entwicklung und nicht um eine notwendige Folge des ursprünglichen Christentums, vielmehr ist es ein Produkt des antiken römischen Geistes auf der Grundlage des katholischen Kirchentums.

Diese historische Sicht teilte auch Huldrych Zwingli, wenn er über die ersten Jahrhunderte der Kirchengeschichte sagte: „Zu jener Zeit gab es noch keinen höchsten Bischof, was immer man heute über den Stuhl Petri [=Papstamt] schwatzen mag.“ Der Reformator lehnte das Papsttum als eine spätere Einrichtung der Kirche mit den folgenden Worten ab: „Sie [die Papstanhänger] machen viel Aufhebens davon, aber sie können den Stuhl Petri nirgends in der Lehre des Evangeliums begründen und fest verankern. Kurz: Für mich deutet nichts darauf, dass Gott sie autorisiert hätte. Ihre Lehre beweist vielmehr nur, wie nahe sie den Tyrannen verwandt sind.“

Ch. Scheidegger am 23. April 2002 (bearb.)

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Patriotismus

Patriotismus Zwinglis

Von einem „Schweizerischen Nationalbewusstsein“ kann im 16. Jh. keine Rede sein. Ein solches Bewusstsein entstand erst im 19. Jh mit der Erschaffung des modernen Nationalstaates. In der Alten Eidgenossenschaft gab es allenfalls ein Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der einzelnen Herrschaften. Die Eidgenossenschaft blieb ein loser Bund verschiedener Territorien, und nur eine relativ kleine Elite entwickelte über die Territorial-, Sprach- und Konfessionsgrenzen hinweg ein Kollektivbewusstsein. Als man übrigens 1815 nach dem Scheitern einer modernen Schweizerischen Republik zur alten Form des Staatenbundes zurückkehrte, klagte ein enttäuschter Republikaner, dass die Schweizer keine Nation mehr seien.
Der Begriff „Nation“, sei er nun auf Ethnie und Sprache oder auf eine Willensgemeinschaft bezogen, wurde erst im 19. Jh. in seinem staatspolitischen Sinn verwendet. Infolgedessen kann vor dem 19. Jh., mindestens aber vor dem 18. Jh. schon von den Begriffen her nicht von einem „Nationalbewusstsein“ gesprochen werden.

Hingegen trifft man auch in der Alten Eidgenossenschaft immer wieder auf ein Wir-Bewusstsein, das über die territorialen Grenzen hinweggeht und den Bund der Eidgenossen hervorhebt. Ein solches Kollektivgefühl war zum Beispiel im Schweizerischen Humanismus des 16. Jh. vorhanden. Der Humanist Heinrich Glarean, zuerst ein Freund und dann ein Gegner Zwinglis, pries in dichterischen Worten die Schweiz als Wiege der Freiheit.

Auch Zwingli war begeistert vom - humanistisch hochstilisierten - Freiheitskampf der alten Eidgenossen gegen die adligen Besatzer. Der humanistisch geprägte Patriotismus hatte ein pädagogisches Ziel: Die Eidgenossen sollten neben ihren militärischen Erfolgen und ihrer Unabhängigkeit künftig auch eine humanistische Kultur haben. Die Freiheit müsse ausser mit Waffen auch mit Geist verteidigt werden, - so war die Überzeugung der Humanisten.
Zwingli selber gehörte diesem eidgenössisch gesinnten Humanistenkreis an, bevor ein Paradigmenwechsel unter den Beteiligten den Kreis auflöste.

Als Zwingli das wiederentdeckte Evangelium zu predigen anfing, wurde, was einst das Höchste war - das literarische Schaffen, der klassische Stil etc. - plötzlich zur Nebensache. Durch Zwinglis reformatorische Predigt fiel der Humanistenkreis auseinander, doch lebte der Schweizerische Humanismus auf reformierter wie auf katholischer Seite weiter.

Zwingli gab seinen eidgenössischen Patriotismus mit der Reformation in Zürich nicht einfach auf. Er hoffte, dass die Uneinigkeit unter den Eidgenossen durch einen landesweiten Sieg der Reformation bald überwunden werden könne.

Ch. Scheidegger am 08. Februar 2002 (bearb.)

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Persönliches Heil

Persönliches Heil - bei Zwingli

In vielen Schriften Zwinglis finden sich Aussagen über das persönliche Heil. Die Frage 'wie bekomme ich einen gnädigen Gott?" war zu jener Zeit ganz aktuell.

Bei der Durchführung der Reformation waren für Zwingli die folgenden drei Motive bestimmend: die Ehre Gottes, das Gemeinwohl eines christlichen Staatswesens und der Trost des Gewissens (persönliches Heil). Diese drei Punkte sind für Zwingli untrennbar miteinander verknüpft. Das eine geht nicht ohne das andere. Gott wird nur die Ehre gegeben, wenn die Erkenntnis und Verehrung Gottes stimmen. Umgekehrt ist der Mensch erst dann wirklich glücklich, wenn er Gott kennt und ihn in rechter Weise ehrt. Zwingli kritisierte an der Kirche und der Gesellschaft seiner Zeit, dass man nicht Gott die Ehre gebe und dass man sein Heil letztendlich nicht in Gott, sondern bei den Menschen suche. Er bezeichnete diesen Zustand als Götzendienst.

Er schrieb: „Dieser ist Gott, zu dem man um Hilfe eilt: Er ist der einzige Trost und Schatz. Daher ist der eine Gott die Zuflucht der Glaubenden. Und jene, deren Zuflucht er nicht ist, die glauben nicht. Sie glauben schon, aber nicht an den wahren Gott. Haben sie nämlich ihre Hoffnung auf geschaffene Dinge gesetzt, so sind sie Götzendiener. ... Wo unser Trost auf etwas anderes gerichtet ist als auf Gott, dort sind wir Götzendiener.“

Fasten, Ablässe, Wallfahrten, Stiftungen , Sakramente und andere fromme Praktiken verurteilte Zwingli als Götzendienst, weil die Menschen glaubten, dass diese zum persönlichen Heil nötig oder nützlich seien. Wie sollte nun der Mensch konkret in Gott seine einzige Zuflucht suchen und so sein Heil finden? Wenn die alten kirchliche Bräuche nicht zum Ziel führten, was dann?

An dieser Stelle muss die Frage nach der menschlichen Schuld erwähnt werden. Zwingli glaubte wie die mittelalterliche Kirche auch, dass der Mensch der Erlösung bedarf. Der Mensch übertritt das Gesetz Gottes und macht sich schuldig. Er kann nur zu Gott kommen, wenn er von seiner Schuld freigesprochen ist. Der Mensch ist mit seiner Schuld vorerst alleingelassen, bis er das Evangelium hört.

Zwingli schrieb: „Nachdem uns armen Menschen unmöglich war, durch eigenes Verdienst zu Gott zu kommen, verordnete Gott, dass sein Sohn für uns menschliche Natur annehme und für uns in den Tod hingegeben werde. Denn nur der, der allenthalben vollkommen und ohne Fehler war, vermochte all unsere Gebrechen hinwegzunehmen. Wer diesem Tun Gottes fest glaubt und sich auf die Köstlichkeit und Fruchtbarkeit des Leidens Christi verlässt, der hat jetzt dem Evangelium geglaubt, der wird selig.“

Wichtig hinsichtlich des persönlichen Heils sind die Worte „für uns“. Zwingli schrieb dazu im „Kommentar über die wahre und falsche Religion“:

„Was heisst das: Glauben, dass Christus Jesus im Fleisch gekommen ist? Ist dieser Glaube zum Heil notwendig? Keineswegs, es sei denn, dass wir glauben, Christus sei ‚für uns‘ gekommen, er sei ‚für uns‘ der Christus Jesus, das heisst der Gesalbte, der Heiland, er, der fürwahr ein König und Heiland ist, Gottes und des Menschen Sohn. Ist aber Christus selbst das Heil - wie er es denn in Wahrheit ist -, was hilft es dann, dass wir anderswo das Heil suchen?“

In derselben Schrift lässt Zwingli Jesus folgendes sagen: „Wer auf mich vertraut, ist schon gerettet. Denn sobald er sein ganzes Vertrauen auf mich setzt, empfindet er in sich selbst, dass sein Gewissen fröhlich wird und dass sich seine Seele von der Verzweiflung zum sicheren Besitz des Heils erhebt.“

Ch. Scheidegger am 03. Juli 2001 (bearb.)

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Pest in Zürich

Die Pest in Zürich

Als Zwingli Anfang 1519 von Einsiedeln nach Zürich kam, zählte die Stadt rund 7000 Einwohner. Eine Pestwelle zog unaufhaltsam rheinaufwärts und erfasste im Frühjahr Basel und Schaffhausen. Im Sommer 1519 brach der Schwarze Tod auch in Zürich aus und dezimierte die Stadt innert weniger Monate um mindestens ein Drittel der Bevölkerung.

Mit Quarantänevorschriften und Räucherungen der betroffenen Häuser versuchten die Behörden der Seuche Einhalt zu gebieten. Schärer schnitten den vom Fieber bewusstlosen Kranken mit der Zange die Eiterbeulen heraus. Mediziner und Quacksalber verabreichten allerlei Pulver und Arzneien - meist mit wenig Erfolg. Des auch in Zürich vorherrschenden Hygieneproblems und der Pestübertragung durch Rattenflöhe war man sich zur Reformationszeit noch kaum bewusst. Krankheit und Tod wurden als gottgewolltes Schicksal oder auch als Strafe Gottes hingenommen. Wer konnte, floh aus der vom grauslichen Sterben lahmgelegten Stadt und suchte bei Verwandten an weniger betroffenen Orten Unterschlupf.

Als Leutpriester durfte Zwingli seine Gemeinde trotz Ansteckungsgefahr nicht verlassen. Wie es sein Amt von ihm verlangte, stand er den von ihrer Familie oft allein zurückgelassenen Kranken und Sterbenden bei. Das Ausmass des Leidens und die Gnadenlosigkeit der Pestilenz, die Junge und Alte, Verbrecher und unschuldige Kinder gleichermassen dahinraffte, hat ihn tief geprägt. Zwingli setzte sich später sehr dafür ein, dass ein staatliches Armen- und Krankenwesen geschaffen wurde, das alle Bedürftigen mit dem Nötigsten versorgte.

Mitte September verspürte Zwingli plötzlich ein unheimliches Frösteln. Er konnte sich gerade noch nach Hause retten, dann erfasste auch ihn die Pest. Wochenlang schwebte Zwingli in Lebensgefahr, nur knapp und für Aussenstehende wie durch ein Wunder entkam er der schweren Krankheit. Der Genesungsprozess zog sich jedoch lange und durch etliche Fieberattacken unterbrochen dahin. Auch im folgenden Jahr befielen ihn oft Schwächeanfälle, so dass er manchmal mitten in der Predigt einhalten musste.

Seine gesundheitlichen Krisen verarbeitete Zwingli in Gedichten und im Pestlied, seinem bekanntesten literarischen Werk. Dem Tode nahe und vom Fieber und Schmerzen erschöpft zum Sterben bereit, beschäftigte er sich intensiv und sehr direkt mit Gott. Nicht Zwingli, sondern Gott hatte sich offenbar für sein Weiterleben entschieden.

Die Pesterfahrung veränderte sein Glaubensverständnis: Das Streben nach der Weisheit Christi, die nur durch menschliche Vernunft, fleissiges Bibelstudium und Busse zu erreichen war, stand nun nicht mehr im Vordergrund. Zwingli empfand sich in seinem Kampf um die Erneuerung der Kirche als Werkzeug Gottes. Nicht sein Predigertalent, sondern die treibende Kraft des Heiligen Geistes konnte die Gemüter bewegen, die Verantwortlichen überzeugen und die Reformation erfolgreich durchführen.

Rea Rother (bearbeitet)

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Pestlied

Zwinglis Pestlied

Im Anfang der Krankheit

(Original)
(Übersetzung von Georg Finsier)


Hilff, herr gott,
Hilf, Herr Gott,

hilff in diser not!
hilf in dieser Not!

Ich mein, der tod
Ich mein', der Tod

sey an der thür.
sei an der Tür.

Stand, Christe, für;
Christ', bleib' bei mir;

dann du in überwunden hast!
denn Du ihn überwunden hast!

Zu dir ich gilff:
Zu Dir ich schrei';

Ist es dein will,
Ist es Dein Will',

züch uss den pfyl,
zieh aus den Pfeil,

der mich verwundt!
der mich verwund't!

Nit lasst ein stund
Es läßt kein Stund

mich haben weder ruw noch rast!
mich haben weder Ruh noch Rast!

Wilt du dann glych
tod haben mich
in mitz der tagen min, so sol es willig sin.
Kommt doch der Tod
auf Dein Gebot inmitten meiner Tag,
so folg ich ohne Klag.

Thu, wie du wilt:
Ist doch dein Will'

mich nüt befilt.
mir nicht zuviel.

Din haf 1) bin ich.
Dein Ton bin ich.

Mach gantz ald brich;
Form oder brich;

dann, nimpst du hin
denn nimmst Du hin

den geiste min
mir Geist und Sinn

von diser erd,
von dieser Erd,

thust du's, dass er nit böser werd,
tust Du's, daß er nicht böser werd,

ald andem nit
und andem nicht

befleck ir läben fromm und sit 2).
befleck ihr Leben fromm und licht.


Inmitten der Krankheit

Tröst, herr gott, tröst!
Tröst, Herr Gott, tröst!

Die kranckheit wachsst,
Die Krankheit wächst,

wee und angst
Weh und Angst faßt

faßt min seel und lyb.
mein Seel und Leib.

Darumb dich schyb
Darum, o bleib

gen mir, einiger trost, mit gnad,
bei mir, einziger Trost, mit Gnad,

die gwüss erlösst
die gern erlöst

ein yeden, der
ein' jeden, der

sin hertzlich bgär
all sein Begehr

und hoffung setzt
und Hoffnung setzt

in dich, verscherzt
in Dich und schätzt

darzu diss zyt all nutz und schad.
gering all zeitlich Nutz und Schad.

Nun ist es umm.
Nun ist es um.

Min zung ist stumm,
Mein Zung ist stumm,

mag sprechen nit ein wort.
mag sprechen nicht ein Wort.

Min sinn sind all verdort.
Mein Sinn sind all verdorrt.

Darumb ist zyt,
Drum ist es Zeit,

dass du min stryt
daß meinen Streit

fuerist fürhin,
Du führst fürhin,

so ich nit bin
da ich nicht bin

so starck, dass ich
so stark, dass ich

mög dapfferlich
mög' tapferlich

tun widerstand
tun Widerstand

des tüfels facht und fränner hand.
des Teufels Netz und Frevlerhand.

Doch wirt min gmuet
Doch mein Gemüt

stät blyben dir, wie er ioch wuet.
stets bleibt bei dir, wie er auch wüt'.


In der Besserung

G'sund, Herr Gott, gsund!
G'sund, Herr Gott, g'sund!

Ich mein', ich ker
Ich mein', ich kehr

schon widrumb her.
schon wied'rum her.

Ja, wenn Dich dunckt,
Ja, wenn Dich dünkt,

der sünden funck
daß nimmer sinkt

werd nit mer bherrschen mich uff erd,
mein Wesen in der Sünde Macht,

so muss min mund
so muß mein Mund

din lob und leer
Dein Lob und Lehr

ussprechen mer
aussprechen mehr

denn vormals ye,
denn vormals je,

wie es ioch gen,
- wie es auch geh -

einfaltigklich on alle gferd.
einfältiglich bei Tag und Nacht.

Wiewol ich muss
Obschon ich muss

dess todes buss
des Todes Buss

erleyden zwar ein mal
erleiden zwar einmal

vilicht mit grösserm qual,
vielleicht mit grössrer Qual,

dann yetzund wer
als jetzt es mir

geschähen, her,
geschehen schier,

so ich sunst bin
da fast ich bin

nach gfaren hin;
gefahren hin;

so wil ich doch
so will ich doch

den trutz und boch
trotzig Gepoch

in diser wält
auf Erden schon

tragen frölich umb widergelt
ertragen froh um Himmelslohn

mit hilffe din,
mit Hilfe Dein,

on den nüt mag vollkommen sin.
ohn' den nichts kann vollkommen sein!


1) "Hafen" = Topf, Krug, Geschirr. Zwingli nimmt hier Röm 9,20ff auf. Dies ist die grundlegende Stelle für Zwinglis Erwählungs-, Berufungs- und Yorsehungsglauben.

2) "sit" - Sitte oder sittsam.

3) "gferd" = Gefährdung. Hier denkt Zwingli wohl nicht an die äussere Gefahr für den Verkündiger, wonach sein Leben für seine Überzeugung in Gefahr kommt, sondern an die Gefahr einer Abweichung oder eines Abfalls von seiner Berufung, die er eben in der Krise des "Pest"-Erlebnisses überwunden hat.

Aus Ernst Saxer: Huldrych Zwingli. Ausgewählte Schriften. 1988

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Predigt - bei Zwingli

Predigt - bei Zwingli und der Zürcher Reformation

Die Reform des Gottesdienstes und der Predigt dauerte über mehrere Jahre, - zu brisant und zu wichtig waren die (nötigen) Veränderungen. Immerhin machte Zwingli schon bei seinem Amtsantritt als Leutpriester des Grossmünsters klar, dass seine Predigten anders würden. Statt Heiligengeschichten und Legenden wollte er die ganze Bibel von A-Z "durchpredigen". Schon am nächsten Tag begann er mit dem griechischen Neuen Testament, mit dem ersten Kapitel des Matthäusevangeliums. Damit legte Zwingli einen Schwerpunkt im Gottesdienst, desser Wirkung ihm noch nicht bewusst sein konnte.

Im Mittelpunkt des bisherigen Gottesdienstes hatte die Eucharistiefeier gestanden, die dramatische Wiederholung des Opfertodes Christi, bei der Brot und Wein sich in den Leib und das Blut Christi verwandelten. Die Liturgie war lateinisch, was das Volk nicht verstand, aber auch viele der schlecht ausgebildeten Priester nicht, - eine Predigt im Sinne einer Bibelauslegung, die die einfachen Menschen auch noch in ihrer Sprache verstehen konnten, war völlig unüblich.

Nach Zwinglis tiefster Überzeugung muss die heilige Schrift Führerin und Lehrerin sein. Dieses Schriftprinzip hat zweierlei Folgen:

Die Übersetzung der Bibel und die Verbreitung des Bibeltextes werden wichtig (vgl. Artikel "Buchdruck", "Bibelübersetzung"), denn die Kenntnis der heiligen Schrift ist kein Vorrecht des Priesters mehr.
Die Predigt, in der den Menschen gesagt wird, was in der Bibel steht, erhält ein enormes Gewicht, ja, sie wird zum Zentrum des Gottesdienstes (quantitativ und qualitativ ist sie das wohl noch heute im ref. Gottesdienst).
Für diese Predigt, das Novum der Reformation, braucht der Prediger Bildung (Sprachen, Rhetorik), Zeit zur Vorbereitung und Verständnis für die Fragen und Sorgen, die seine HörerInnen drücken.
Nach Zwingli autorisieren nicht mehr das Lehramt der Kirche und die Tradition die Bibelauslegung. Aber wer dann? Nach Zwingli bedarf das Wort Gottes nicht menschlicher Stützen, es setzt sich mit eigener Kraft durch.
Aber auch Zwingli hat nicht auf sein grosses rednerisches Können verzichten wollen, wenn er seine Ansichten von der Kanzel oder im Ratssaal zu vertreten hatte.

Matthias Reuter (bearbeitet)

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Predigt - Orte

Predigt - Orte Zwinglis

Zwinglis Predigt-Orte, speziell Albisrieden
Da Zwingli seit 1519 zum Leutpriester des Chorherrenstifts zum Grossen Münster gewählt war, ist es aus folgenden Gründen sehr wahrscheinlich, dass er ab dann auch in Albisrieden amtete:

1. Albisrieden war eine Filialgemeinde des Grossmünsters. 2. Von der Reformation bis 1660 waren Albisriedens Prediger zugleich auch Lehrer an der Stiftsschule des Grossmünsters. (HH) 3. Bereits im 12.Jh. besorgte ein Leutpriester (Pfarrer) aus der Mitte der Chorherren die dem Grossmünster-Pfarrsprengel zugehörigen Ortschaften. Allmählich wurden ihm drei Helfer beigegeben. (HW) 4. Am 29.Sept. 1523 vereinbarten Bürgermeister und Rat und das Grossmünsterstift, dass mit der Zeit die Filialkirchen an den Orten, "da das Stift den Zehnten einziehe, Albisrieden, Witikon und Schwamendingen, durch geschickte, zum Predigen geeignete, Geistliche versehen werden sollen, die das Stift hinausschicke, ohne Kosten für die Untertanen, wie es sich gehöre" (eben weil das Stift von hier den Zehnten nahm). Anfänglich geschah dies durch Chorherren selber, die also im Grossmünster als Geistliche und an der damit verbundenen Stiftsschule als Lehrer wirkten. - Und Zwingli wurde im Frühling 1521 zum Chorherren befördert.

Später dann, 1533 (oder 37?), bestimmte eine Ratsabordnung, dass an den Sonntagen an den Filialen Hilfslehrer der Stiftsschule zu amten hätten, später auch andere; die Ansprüche an jene wurden also immer geringer. Ab 1660 sind Albisriedens Prediger nicht mehr zugleich Stiftslehrer gewesen, konnten sich also vermehrt den örtlichen Bedürfnisse widmen. (HW) 5. H.Hubmann schreibt in seiner Chronik überzeugt: "Die Reformationszeit wird auch die Gemüter der Albisrieder stark bewegt haben. Dass sie Meister Ulrich Zwingli persönlich gehört und gekannt haben, ist SELBSTVERSTAENDLICH. Sie waren ja seine Pfarrkinder. Zudem hatte Zwingli als Chorherr Anteil am Albisrieder Korn-, Hafer- und Hühnerzehnten. In kirchlicher Beziehung wurde nun die Kapelle zur eigentlichen Filialkirche (was sie bis 1866 blieb, als Albisrieden eigene Pfarrei wurde) und das Grossmünster verpflichtet, jederzeit tüchtige Geistliche dahin abzuordnen." (HH)

Dennoch bleiben Unsicherheiten: 1. Das Zürcher Pfarrerbuch 1519-1552 beginnt die Liste Albisriedens mit Jakob Erni, dessen Amtszeit vage mit "vor 1525" angegeben wird. 2. Weder bei H.Bullinger (Reformationsgeschichte), S.Vögelin (Das alte Zürich), E.Egli (Actensammlung der Züricher Reformation), noch H.Hubmann (Chronik der Kirche Albisrieden) konnte ein eindeutiger Quellenbeleg von Zwinglis Predigttätgigkeit in Albisrieden gefunden werden.

Uebrigens: Im Jahr 1566 wurde der Enkel von Zwinglis Nachfolger Heinrich Bullinger, ebenfalls ein Heinrich B. in Albisrieden vorübergehend als Diakon eingesetzt.

Angaben aus H. Hubmann: Chronik der Kirche und der Kirchgemeinde Albisrieden, 1951 (HH) Heinrich Wydler: Die alte Kirche von Albisrieden. in: Echo vom Uetliberg, 1927-32.

C.Schnabel am 23. Juni 1999 (bearbeitet)

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Presbyterianer

Presbyterianer

Beim Presbyterianismus und Reformiertentum handelt es sich um ein und dieselbe kirchliche Richtung; ihre Glaubenslehren und Kirchenverfassungen gehören zum selben Zweig des Protestantismus.
„Reformiert“ nennen sich die Kirchen auf dem europäischen Festland, die in ihren geschichtlichen Wurzeln auf die Reformation Zwinglis und Calvins zurückgehen. Im angelsächsischen Raum jedoch heissen diese Kirchen meistens „presbyterianisch“. Während der „Presbyterianismus“ eher mit einer bestimmten kirchlichen Verfassung assoziiert wird, bezeichnet „reformiert“ mehr eine Glaubensanschauung. Soviel zu den unterschiedlichen Begriffen „reformiert“ und „presbyterianisch“.

Anders als die Lutherische, Anglikanische und die Evangelisch-methodistische Kirchen, die nebst den Pfarrern noch Bischöfe haben (episkopales Kirchensystem), kennen die reformierten und presbyterianischen Kirchen nur das presbyteriale Amt (Pastor/Pfarrer und Älteste/Presbyter). Die Position der Einzelgemeinde ist stark, aber nicht absolut wie beim Kongregationalismus (Autonomie der Ortskirche). Die übergeordnete Instanz der reformierten und presbyterianischen Kirchen ist die Synode, die Versammlung der Gemeindeabgeordneten.

Die meisten reformierten und presbyterianischen Kirchen haben sich dem 1875 in London gegründeten REFORMIERTEN WELTBUND zusammengeschlossen; der volle englische Name lautet „Alliance of Reformed Churches throughout the World holding the Presbyterian Order“. Der reformierte Weltbund umfasst heute ungefähr 70 Millionen Mitglieder.

Ch. Scheidegger am 26. Januar 2002 (bearb.)

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Prophetischer Zwingli

Prophetischer Zwingli

Ist Zwingli eine Hauptperson der Reformation? - Endeutig. Er gehört zu den "grossen Figuren" der Reformation.

Allerdings: Verschiedene Generationen und verschiedene Forschende urteil(t)en unterschiedlich darüber. Gültig scheint heute zu sein: Wo Zwingli nur in einer Randnotiz neben dem "grossen Luther" und Calvin erwähnt wurde, geschah gewiss eine Verzerrung der Geschichte. - Mündliche und schriftliche Diskussionen über die geschichtliche Relevanz der einzelnen Reformatoren wurden/werden oft emotional geführt. Ob die Frage tatsächlich so wichtig ist ? (Haupsache, es wurde und wird reformiert, wem die Ehre letzlich gebührt, ist Glaubenssache...)

Hat Zwingli etwas Prophetisches?
Klar ist: Zwingli selbst verstand sich als "Prophet". Dabei ist allerdings sein Gebrauch des Begriffs zu berücksichtigen: Ein Prophet ist für ihn schlicht ein Verkünder des Evangeliums. Wer das predigt, was die Bibel sagt, ist Prophet. Dabei betont er, dass sowohl der Predigende wie die Hörenden nur dann tatsächlich, innerlich, mit dem Herzen verstehen und glauben können, wenn der Heilige Geist sie lehrt. Propheten dienen andere Menschen, indem sie die Heilige Schrift lesen, auslegen und lehren; indem sie ferner trösten, aufschrecken, heilen, gewissenhaft Fürsorge tragen, Armen und Kranken helfen (vgl. Zwingli Schriften IV,125ff.).

Um Missverständnisse zu vermeiden: Zwingli war zwar überzeugt, dass SEINE Ansichten (und nicht die seiner Gegner) der göttlichen Wahrheit entsprächen. Aber immer wieder fordert er in seinen Schriften dazu auf, ihm nicht blind zu glauben (genausowenig wie allen anderen Autoritäten), sondern selbst anhand der Bibel nachzuprüfen.

Wenn prophetisches Wirken heisst: die Zeichen der Zeit in Geschichte und Gegenwart richtig zu deuten; die heute nötigen Taten zu wagen, weil die Zeit reif ist; ungeachtet der Mehrheitsmeinung und grosser Anfeindungen das zu sagen und tun, was man vor Gott verantworten kann; die gesellschaftlich akzeptierte Sünde und Ungerechtigkeit laut beim Namen zu nennen; gegen Götzendienst und Verfälschung des Glaubens anzukämpfen und zur Umkehr zu mahnen; mit Gewissheit um die eigene göttliche Berufung so anderen zu dienen und die Gemeinde zu stärken;... wenn prophetisches Wirken so verstanden wird, hat Zwingli allerdings etwas Prophetisches.

Bei Prophetien handelt es sich um übernatürliche Offenbarungen, die NICHT durch menschliche Weisheit und Einsicht hervorgebracht werden können. Ob Zwingli in diesem Sinne ein Prophet war, ist hier nicht zu beurteilen. Fest steht einerseits, dass er mit Gottes Reden durch die Schrift, hier und jetzt, rechnete. Fest steht andererseits auch, dass er gegenüber denen, die sich auf ihre göttlichen Eingebungen und Visionen beriefen (abschätzig "Schwärmer" genannt), skeptisch bis sehr feindlich gesinnt war. Leider.

C. Schnabel am 7. September 1999 (bearbeitet)

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Protestantismus

Protestantismus - Katholizismus

Im Gegensatz zum Katholizismus lehnt der Protestantismus einen Teil der kirchlichen Tradition ab. - Zum Protestantismus gehören die Kirchen, die ursprünglich oder mittelbar aus der REFORMATION hervorgegangen sind. Während die lutherische, reformierte und die anglikanische Kirche direkt auf die Reformation zurückgehen, setzt die Geschichte der Baptisten und Methodisten erst später ein. Die vielen Teilungen in selbständige Kirchen mit je eigenem Glaubensbekenntnis ist ein Merkmal des Protestantismus, das seit seiner Entstehung kennzeichnend ist. Grund dafür ist die Ablehnung einer kirchlichen Zentralgewalt, eines Papstes. Seit der Reformation haben unterschiedliche theologische Strömungen den Protestantismus immer wieder verändert. Zu nennen sind der Puritanismus und die protestantische Orthodoxie im 17. Jh., der Pietismus im 18. Jh., die liberale Theologie und die Erweckungsbewegung im 19. Jh.

Die Entstehung der protestantischen Kirchen geht auf die Kritik zurück, die Martin Luther, Huldrych Zwingli und viele andere im 16. Jh. an der mittelalterlichen Kirche geübt haben. Die Reformatoren kritisierten Lehre und Praxis dieser Kirche auf der Grundlage der Bibel. Sie forderten Kirche und Gesellschaft auf, sich allein an der Heiligen Schrift (ohne Tradition, „sola scriptura“) zu orientieren und auf das neu entdeckte Evangelium zu hören. Der mittelalterliche Katholizismus lehrte, dass der Mensch über viele Stufen schliesslich zu seinem Heil gelange. Auf diesem Weg war er auf die Hilfe der Kirche angewiesen, weil diese die zum Heil nötigen oder nützlichen Mittel verwaltete: Sakramente, Wallfahrten, Fasten, Ablässe, Stiftungen usw. Die Reformatoren wandten sich mit dem Argument dagegen, dass das biblische Evangelium etwas anderes lehre: Gott spreche alle Menschen frei von ihren Sünden und lasse ihnen die Strafen nach, wenn sie an das einzig wirksame Mittel, Christus („solus Christus“), glaubten („sola fide“). Das ist die viel zitierte Rechtfertigungslehre, die zusammen mit der Lehre der Schrift („sola scriptura“ statt Bibel plus kirchliche Tradition) zu den Grundpfeilern des Protestantismus gehört und ihn vom Katholizismus wesentlich unterscheidet. Von dieser Grundlage her schafften die protestantischen Kirche bisherige „unevanglische“ religiöse Praktiken und Lehren ab, z.B. die Messe, das Fasten oder die Vorstellung vom Fegefeuer.

Ch. Scheidegger am 17. September 2001 (bearb.)

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Kirchensteuer-Initiative: NEIN

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Zwingli - der Zürcher Reformator