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Name - biblisch, jüdisch

Der Gottes-Name - biblisch, jüdisch, bei Zwingli

Warum hat Gott in der Bibel einen Namen?
Ist der Name Gottes bloss Schall und Rauch, wie es in Goethes 'Faust' heisst, oder ist in ihm doch mehr verborgen? Ein kurzer Blick in unseren Alltag, wie wir dort Namen verwenden, zeigt, welche Bedeutung es hat, jemand oder etwas beim Namen zu nennen. Erstes Beispiel: Über Markennamen werden Produkte identifiziert und Eigenschaften assoziiert, welche die Produkte an sich gar nicht haben. Markennamen können Botschaften transportieren, welche mit dem Produkt nichts zu tun haben, den Konsumenten aber sehr beeindrucken. In diesen Fällen ist es nicht der Name, der nur Schall und Rauch ist, sondern was dahintersteht; der Name hingegen zählt, ist voller Versprechen, die jedoch leer sind.

Ein zweites Beispiel, wie bedeutsam Namen sind: Jeder Mensch trägt einen Eigennamen, mit welchem die Person identifiziert wird; der Name ist mit der Person aufs engste verknüpft. Ist der Name nicht bekannt, kann dies unter Umständen sehr unangenehm sein. Empfänger von anonymen Briefen können in Angst und Schrecken versetzt werden, auch wenn der Inhalt des Briefes nicht drohend ist. Die Ungewissheit, wer dahintersteckt, erschreckt.

Und Gott? Ist er nur eine höhere Macht und bleibt anonym, oder hat diese Macht einen Namen und gibt sich den Menschen zu erkennen? Als Mose in der Wüste Schafe hütete, hatte er plötzlich eine Begegnung mit einem höheren Wesen, das zu ihm aus einem brennenden, dornigen Busch sprach. Das höhere Wesen stellte sich ihm vor, er sei der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und befahl ihm anschliessend, nach Ägypten zu gehen und das Volk der Israeliten aus der Unterdrückung zu befreien. Mose fragte darauf Gott, wie er denn heisse, und erhielt die Antwort: „ICH BIN, DER ICH BIN ... JHWH ist mein Name“.
Diese Stelle aus dem Alten Testament war für Zwingli von grosser Bedeutung.

Zunächst zur Frage, wie die vier hebräischen Buchstaben Jod-He-Waw-He korrekt ausgesprochen werden.

Aus Ehrfurcht vor dem Namen Gottes und um ihn vor magischem Missbrauch zu schützen, war das Aussprechen der vier Buchstaben JHWH schon relativ früh nur im Tempelbereich bei bestimmten Gelegenheiten erlaubt. Da die korrekte Aussprache des Namens Gottes nicht gesichert überliefert wurde, ist sie heute nicht mehr bekannt. Der Name selbst ist nicht verloren gegangen, nur die korrekte Aussprache!
Die hebräische Bibel ist in einer Konsonantenschrift geschrieben, in welcher keine Vokale vorkommen. Im 6./7. Jahrhundert fügten jüdische Gelehrte Vokale in den Konsonantentext der hebräischen Bibel ein, doch wagten sie es nicht, den Namen Gottes mit den entsprechenden Vokalzeichen zu versehen. Stattdessen ergänzten sie die vier Buchstaben JHWH mit den Vokalen von 'Adonai' (auf Deutsch „mein Herr“), weil beim Vorlesen der Bibel stets Adonai gelesen wurde, wo JHWH stand. - Während das immer noch anzutreffende Wort JeHoWaH ["Jehovas Zeugen" - TN] eine falsche Aussprache von JHWH ist (aus Unkenntnis des Hebräischen und der Geschichte wird JHWH mit den Vokalen von Adonai gelesen), ist JaHWeH ein Rekonstruktionsversuch.

Zwingli genoss eine gute humanistische Bildung, wozu auch die Kenntnis der griechischen und hebräischen Sprache gehörte. Das Griechische beherrschte er sehr gut, mit dem Hebräischen hatte er etwas Mühe, investierte aber viel Zeit in das Erlernen dieser Sprache. Ein Jude aus Winterthur kam während einer gewissen Zeit täglich nach Zürich, um Zwingli zu unterrichten. Daher war der Name Gottes dem Zürcher Reformator selbstverständlich bekannt. Und er mass ihm eine nicht geringe Bedeutung bei.
Zwingli untersuchte den Namen JHWH auf seine Herkunft hin: „Dieser Name wird von den Juden ‚Adonai‘ gelesen, jedoch die Buchstaben lauten nicht Adonai. Das geschieht nicht darum, weil die Juden die Buchstaben des Gottesnamens nicht lesen können, sondern weil sie glauben, er sei um seiner Heiligkeit willen unaussprechlich. Denn dieses hebräische Wort für Gott ist abzuleiten vom hebräischen Wort für ‚sein‘.“
Er begründet diese Herleitung mit der Textstelle von Exodus 3, 13-15. Der Zürcher Reformator deutet die Worte „ich bin, der ich bin“ in seiner Auslegung von Exodus 3 innerhalb einer philosophischen Seinslehre. Gott ist, und zwar existiert er aus sich selbst, aus eigener Kraft. Er ist das Sein selbst und das Sein aller Dinge, insofern er allen Dingen die Existenz verleiht. Der höchste Name Gottes sei im Hebräischen aus lauter Hauchlauten zusammengesetzt, weil Gott das Leben, der Atem und das Wesen aller Dinge sei.

Zwingli machte vom Namen Gottes kaum je Gebrauch, sondern wie die Juden Adonai sagen und die griechische Übersetzung des Alten Testamentes das Wort Kyrios benützt, spricht er von HERR, wo in der Bibel JHWH steht. Auch die Zürcher Bibel gab den Gottesnamen mit HERR wieder [Luther schreibt in seiner Übersetzung jeweils HErr, wenn JHWH im Urtext steht -TN]. Zwingli spricht von Gott auch oft vom 'summum bonum', vom höchsten Gut, von dem alles Gute komme. Das deutsche Wort ‚Gott‘ sei von ‚gut‘ abgeleitet, und Gott sei eben das höchste Gut.

Und zur Frage, was unter dem Gebet „Dein Name werde geheiligt“ im Vater Unser zu verstehen sei: Zuerst müsse der Mensch Gott für das höchste Gut halten und ihn als seinen Vater betrachten, sagt Zwingli. „Denn dann erkennen wir, dass sein Name, d.h. seine Ehre, seine Macht, sein Lob, von den Menschen am höchsten geachtet werden soll, und wir sagen sollen: ‚Geheiligt werde dein Name!‘."

Ch. Scheidegger am 10. November 2000 (bearb.)

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