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Bartholomäusnacht

Bartholomäusnacht 1572 - Hugenotten

Die Verbreitung des Protestantismus setzte in Frankreich erst in den 1530er Jahren ein und nahm seit etwa 1540 unter dem Einfluss Johannes Calvins stark zu. Im ganzen Königreich begannen sich spontan evangelische Gemeinden ohne feste Strukturen zu bilden. In dieser Situation sahen sich die Protestanten veranlasst, für die evangelischen Kirchen eine Kirchenordnung und ein Glaubensbekenntnis zu finden. Aus diesem Grund trat 1559 die erste Nationalsynode der reformierten Kirchen Frankreichs zusammen und verabschiedete eine Kirchenordnung und ein Glaubensbekenntnis, die beide mit Calvins Theologie im Einklang standen. Dadurch überwanden die Hugenotten, wie die Protestanten in Frankreich genannt wurden, eine grosse Ungewissheit und hatten nun dogmatische und kirchenrechtliche Regeln in der Hand.
Ein grosses Problem war, dass die Protestanten nirgendwo die Mehrheit bildeten und daher wenig Aussichten auf eine offizielle Anerkennung durch den König hatten. Die Nationalsynode war daher auch ein politischer Akt: Man demonstrierte den Willen, an die Öffentlichkeit zu treten und sich vom Staat anerkennen zu lassen. Seither formierte sich die protestantische Partei, die dieses Ziel verfolgte.

Unter König Heinrich II. (1547 - 1559) erduldeten die Hugenotten grausamste Verfolgung, die unter der Herrschaft Franz II. (1559 - 1560) fortgeführt wurde. Dank der Regentschaft der Königinmutter, Katharina de Medici, kam es vorerst nicht zum Ausbruch eines Religionskrieges. Der wichtigste Versuch einer Versöhnung zwischen Katholiken und Protestanten war das Religionsgespräch von Poissy 1561. Dieses führte zwar zu einem definitiven theologischen Bruch, doch erliess Katharina de Medici 1562 das Edikt von St. Germain, das ein Nebeneinander der beiden Konfessionen anordnete und den Protestanten Freiheiten gewährte. Die Missachtung dieses Edikts - es wurden Hugenotten ermordet - führte zum ersten Religionskrieg, der aus verschiedenen Gründen sehr grausam war:
1) Die Haltung, keinen anderen Glauben zu tolerieren.
2) Verantwortlich für viele Grausamkeiten war auch die Arbeitslosigkeit des Militärs. Ein Krieg gegen Österreich war beendet und als Ersatz wurde nun ein Bürgerkrieg geführt.
3) Die Protestanten in Frankreich vertraten ein Widerstandsrecht, das sie entschlossen zu den Waffen greifen liess.

Der erste Religionskrieg endete ungünstig für die Hugenotten, während sie dann im zweiten und dritten gar vernichtend geschlagen wurden. Doch dem Admiral Coligny gelang es, den Protestantismus im Westen und Süden Frankreichs sowie im Rhonetal zu festigen.
Es folgte eine verhältnismässig friedliche Periode, was Coligny ermöglichte, im Rat des Königs kontinuierlich an Einfluss zu gewinnen. Er wirkte auf eine Beendigung der Bürgerkriege durch die Wiederaufnahme des Kriegs gegen Spanien. Diese Politik missfiel aber der Königinmutter, die daher beschloss, den Admiral ermorden zu lassen. Als der Mordanschlag scheiterte, entschloss man sich zu dem Terrorakt, den gesamten wegen einer Hochzeit in Paris versammelten protestantischen Adel in der Bartholomäusnacht (23-24. 8. 1572) zu ermorden. Der Pöbel von Paris dehnte das Gemetzel noch weiter aus (3000 oder 4000 Tote in Paris), welches schliesslich auch in den anderen Regionen Frankreichs fortgesetzt wurde (insgesamt etwa 30‘000 Tote!).

Ch. Scheidegger am 22. September 2001 (bearb.)

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