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Lexikon B

Bartholomäusnacht

Bartholomäusnacht 1572 - Hugenotten

Die Verbreitung des Protestantismus setzte in Frankreich erst in den 1530er Jahren ein und nahm seit etwa 1540 unter dem Einfluss Johannes Calvins stark zu. Im ganzen Königreich begannen sich spontan evangelische Gemeinden ohne feste Strukturen zu bilden. In dieser Situation sahen sich die Protestanten veranlasst, für die evangelischen Kirchen eine Kirchenordnung und ein Glaubensbekenntnis zu finden. Aus diesem Grund trat 1559 die erste Nationalsynode der reformierten Kirchen Frankreichs zusammen und verabschiedete eine Kirchenordnung und ein Glaubensbekenntnis, die beide mit Calvins Theologie im Einklang standen. Dadurch überwanden die Hugenotten, wie die Protestanten in Frankreich genannt wurden, eine grosse Ungewissheit und hatten nun dogmatische und kirchenrechtliche Regeln in der Hand.
Ein grosses Problem war, dass die Protestanten nirgendwo die Mehrheit bildeten und daher wenig Aussichten auf eine offizielle Anerkennung durch den König hatten. Die Nationalsynode war daher auch ein politischer Akt: Man demonstrierte den Willen, an die Öffentlichkeit zu treten und sich vom Staat anerkennen zu lassen. Seither formierte sich die protestantische Partei, die dieses Ziel verfolgte.

Unter König Heinrich II. (1547 - 1559) erduldeten die Hugenotten grausamste Verfolgung, die unter der Herrschaft Franz II. (1559 - 1560) fortgeführt wurde. Dank der Regentschaft der Königinmutter, Katharina de Medici, kam es vorerst nicht zum Ausbruch eines Religionskrieges. Der wichtigste Versuch einer Versöhnung zwischen Katholiken und Protestanten war das Religionsgespräch von Poissy 1561. Dieses führte zwar zu einem definitiven theologischen Bruch, doch erliess Katharina de Medici 1562 das Edikt von St. Germain, das ein Nebeneinander der beiden Konfessionen anordnete und den Protestanten Freiheiten gewährte. Die Missachtung dieses Edikts - es wurden Hugenotten ermordet - führte zum ersten Religionskrieg, der aus verschiedenen Gründen sehr grausam war:
1) Die Haltung, keinen anderen Glauben zu tolerieren.
2) Verantwortlich für viele Grausamkeiten war auch die Arbeitslosigkeit des Militärs. Ein Krieg gegen Österreich war beendet und als Ersatz wurde nun ein Bürgerkrieg geführt.
3) Die Protestanten in Frankreich vertraten ein Widerstandsrecht, das sie entschlossen zu den Waffen greifen liess.

Der erste Religionskrieg endete ungünstig für die Hugenotten, während sie dann im zweiten und dritten gar vernichtend geschlagen wurden. Doch dem Admiral Coligny gelang es, den Protestantismus im Westen und Süden Frankreichs sowie im Rhonetal zu festigen.
Es folgte eine verhältnismässig friedliche Periode, was Coligny ermöglichte, im Rat des Königs kontinuierlich an Einfluss zu gewinnen. Er wirkte auf eine Beendigung der Bürgerkriege durch die Wiederaufnahme des Kriegs gegen Spanien. Diese Politik missfiel aber der Königinmutter, die daher beschloss, den Admiral ermorden zu lassen. Als der Mordanschlag scheiterte, entschloss man sich zu dem Terrorakt, den gesamten wegen einer Hochzeit in Paris versammelten protestantischen Adel in der Bartholomäusnacht (23-24. 8. 1572) zu ermorden. Der Pöbel von Paris dehnte das Gemetzel noch weiter aus (3000 oder 4000 Tote in Paris), welches schliesslich auch in den anderen Regionen Frankreichs fortgesetzt wurde (insgesamt etwa 30‘000 Tote!).

Ch. Scheidegger am 22. September 2001 (bearb.)

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Basel und Zwingli

Basel und Zwingli

Zwingli verbrachte die grösste Zeit seiner Studienjahre in Basel. Später verbanden ihn Freundschaften mit der Stadt am Rheinknie. Vor seiner reformatorischen Wende stand er besonders mit Erasmus von Rotterdam im Kontakt, der in Basel lebte und wirkte. Später wurde Johannes Oekolampad, der am Durchbruch der Reformation in Basel entscheidenden Anteil hatte, ein enger Freund des Zürcher Reformators. Besonders der Abendmahlstreit zwischen Zwingli und Luther führte Oekolampad und den Zürcher Reformator eng zusammen.
Basel blieb lange Zeit auf Distanz zur Reformation Zwinglis und stimmte dem Helvetischen Bekenntnis, dem Glaubensbekenntnis der reformierten Kirche, nicht zu. Nach langem Hin und Her bekannte sich Basel schliesslich doch zur reformierten Kirche.

Das Zwinglihaus erinnert wahrscheinlich mit seinem Namen an diese Verbindungen. Zwingli selber wirkte jedenfalls nie unmittelbar als Reformator in Basel.

Ch. Scheidegger am 14. Januar 2002 (bearb.)

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Bauern & Bauernkrieg

Bauern & Bauernkrieg

Zwingli hat mit zwei Schriften auf die Bauernbewegung reagiert. Bei der ersten handelt es sich um eine gedruckte Predigt von 1523, „Von Göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit“. Die zweite Schrift aus dem Jahr 1524 trägt den Titel „Wer Ursache zum Aufruhr gibt“. Beide Werke sind in der modernen Ausgabe „Huldrych Zwingli Schriften Band 1“ enthalten.
Aus der Zeit des deutschen Bauernkrieges stammen zwei Gutachten, die Zwingli im Auftrag der Regierung Zürichs verfasst hat. Sie sind in der grossen wissenschaftlichen Ausgabe „Huldreich Zwinglis sämtliche Werke, Band 4“ abgedruckt.

Die Bauernbewegung in Zürich verlief anders als im Deutschen Reich, wie sich auch Zwinglis und Luthers Stellungnahmen voneinander unterscheiden. Doch werde ich hier ihre Reaktionen nicht miteinander vergleichen.

Obrigkeiten und Zehntenherren forderten in Zürich wie vielerorts einen beträchtlichen Teil des bäuerlichen Arbeitsertrages in Form von Zinsen, Zehnten und Steuern; die Landwirtschaft trug die Hauptlast der staatlichen und kirchlichen Finanzen.
Als Zwingli und seine Freunde in ihren Predigten die traditionellen Gottesdienste angriffen, gehörten die Bauern zu den aufmerksamen Zuhörern der neuen Lehre. Sie waren nicht mehr bereit, die unevangelischen Gottesdienste mit ihren Abgaben zu finanzieren und drohten daher im Jahr 1523 mit der Verweigerung des Zehnten. Der Zehnte war so etwas wie eine Kirchensteuer und bestand in der Abgabe eines Bruchteils (bis zu 10%) des Ernteertrags. Konkret protestierten einige Gemeinden, die dem Grossmünsterstift unterstanden, gegen den Zehnten.

Zwingli geriet zwischen zwei Fronten: die Bauern auf der einen Seite und die Altgläubigen, welche alle Reformen verhindern wollten, auf der anderen. Der Reformator reagierte mit der Predigt „Von Göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit“. Er wies die Bauern darauf hin, das bestehende Recht mit einer Steuerverweigerung nicht einfach zu übergehen; der Zehnte sei aufgrund der bestehenden Verträge weiterhin zu entrichten (menschliche Gerechtigkeit). Der Regierung schärfte er ein, endlich Reformen durchzuführen, um die schlechten kirchlichen Zustände zu verbessern.

Massgeblich unter dem Druck der Landbevölkerung griff der Zürcher Rat Zwinglis Plan zur Umstrukturierung des Grossmünsterstiftes auf. Die entsprechende gesetzliche Verordnung setzte fest, zahlreiche Stellen zu streichen und eine theologische Schule zu gründen. Ferner versprach man den Landgemeinden ihre eigenen evangelischen Pfarrer. Der Zehnte wurde jedoch nicht abgeschafft.

Als in den Jahren 1524-25 in Deutschland der Bauernkrieg wütete, wiederholten die ländlichen Gemeinden Zürichs ihre Forderungen. Sie wollten u. a. künftig ihren Pfarrer selber wählen, die Leibeigenschaft aufheben und den Zehnten nicht mehr bezahlen und begründeten ihre Begehren mit dem Evangelium. Die Zürcher Regierung nahm den Dialog mit den Bauern auf und verlangte gleichzeitig von Zwingli ein Gutachten in dieser Angelegenheit, dem später noch ein zweites folgte. Der Reformator schlug darin vor, die Leibeigenschaft aufzuheben und nur den Kleinen Zehnten ganz abzuschaffen. Der Zürcher Rat fällte schliesslich den Entscheid, die Leibeigenschaft aufzuheben, sonst aber alles beim Alten zu belassen.
Die Bauern schienen damit zufrieden gewesen zu sein, obwohl ihr eigentliches Ziel nicht erreicht war. Doch setzten sich die Proteste nicht fort.

Ch. Scheidegger am 09. Februar 2002 (bearb.)

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Bergpredigt

Bergpredigt in Zwinglis Auslegung

„Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete auch die andere dar.“ - „Liebt euere Feinde.“
Wie verstand Zwingli diese radikalen Forderungen des Jesus von Nazareth? Gelten sie nur ein paar Super-Heiligen oder allen Christen? Haben sie nur für Privatpersonen oder gar für die ganze Gesellschaft eine Bedeutung?

Die reformatorische Lehre stiess unter den einfachen Leuten auf eine breite Resonanz. Diese verlangten, das Evangelium zu hören und ihm gemäss zu leben. Zum „Leben“ gehörte für viele unter ihnen nicht nur die persönlich-private Existenz, sondern auch die politischen und sozialen Verhältnisse. Es wurden daher sozialpolitische Forderungen an die Mächtigen (z.B. die Abschaffung des Zehnten und der Leibeigenschaft) gestellt. Für die Bauern, welche ihre Forderungen mit dem Evangelium begründeten, stand das Verhältnis zwischen Glauben und Politik fest: Beides muss sich decken, Bibel und Gesellschaftsrecht müssen übereinstimmen. Und weil dies nicht der Fall war, beschritten viele den Weg der Revolution, um eine göttliche Gerechtigkeit aufzurichten (der deutsche Bauernkrieg von 1525).

Einige „Radikale“ der Reformation standen den Bauern in dieser Beziehung nahe. Anstelle der bisherigen Ordnung (Kirche und bürgerliche Gesellschaft), wollten auch sie die göttliche Gerechtigkeit einführen. Das beinhaltete je nachdem die Abschaffung des Zehnten, der Zinsen, des Privateigentums, der staatlichen Gewalt und des Krieges. Dieser radikale Weg war massgeblich von der Bergpredigt inspiriert, wo man das göttliche Recht in konzentrierter Form zu erkennen glaubte.

Martin Luther kritisierte das revolutionäre Programm der Bauern und auch der Radikalen aufs schärfste. Er betonte, dass Glauben und Politik niemals gleichgesetzt werden dürfen, sondern klar auseinandergehalten werden müssen [Zwei-Reiche-Lehre - TN]. Der Glaube gehöre ins Reich Gottes, wo eine göttliche Gerechtigkeit herrsche, die Politik jedoch ins weltliche Reich, wo bloss eine menschliche Gerechtigkeit bestehe. Im innerlichen, stets unsichtbaren Reich Gottes regiere die Liebe und gebe es keine Gewalt. Im weltlichen Bereich müsse aber die Obrigkeit mit dem Schwert für Recht und Ordnung sorgen. Als Folge dieser strikten Trennung zwischen beiden Reichen, wirkte die Reformation Luthers im politisch-sozialen Bereich nur wenig verändernd.

Zwingli schlug demgegenüber einen dritten Weg vor; „via media“, nannte er ihn selber einmal. Für ihn gehörte zur Predigt des Evangeliums auch die Verkündigung der göttlichen Gerechtigkeit als Forderung an den Einzelnen und an die Gesellschaft. Das Reich Gottes hat bei ihm auch eine äussere Wirklichkeit! In Zürich geriet nicht nur religiös-kirchlich, sondern auch politisch-sozial vieles in Bewegung. Im Gegensatz zu den Bauern betonte der Zürcher Reformator jedoch den Unterschied zwischen evangelischer Forderung und bürgerlichem Gesetz, zwischen göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit. Die menschliche Gerechtigkeit sei nämlich ebenso von Gott verordnet, auch wenn sie nur relativ und unvollkommen sei.

Die meisten Punkte der göttlichen Gerechtigkeit entnahm Zwingli der Bergpredigt. Inhalt dieser Gerechtigkeit sei die Liebe. Alle Forderungen der göttlichen Gerechtigkeit seien in der Liebe zusammengefasst; das Gebot der Liebe werde in der Bergpredigt ausgelegt. Anders verhalte es sich mit dem menschlichen Recht, das nicht Liebe sei, sondern die Menschen zur (nur relativen) Gerechtigkeit zwinge. Die menschliche Gerechtigkeit ist für Zwingli ein Funktionsersatz für das Liebesgebot.

Literatur:
- Zu Zwinglis Auslegung der Bergpredigt vgl. das Bibelstellenregister in Huldrych Zwingli, Schriften IV.

- Arthur Rich, Zwingli als sozialpolitischer Denker, in: Zwingliana 13 (1969).

- Heinrich Schmid, Zwinglis Lehre von göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit, Zürich 1959.

Ch. Scheidegger am 10. Oktober 2001 (bearb.)

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Bern und Zwingli

Bern und Zwingli

Das erste Mal hielt sich Zwingli während seiner Jugendzeit in Bern auf. Bei Heinrich Wölfflin genoss er dort für kurze Zeit humanistische Bildung, bevor ihn seine Verwandten wieder aus der Aarestadt zurückholten. Die Dominikaner in Bern wollten Zwingli angeblich wegen seiner schönen Stimme zum Eintritt in ihren Orden veranlassen, was den Verwandten jedoch nicht passte.

Später stand Zwingli mit verschiedenen Personen in Verbindung, welche für die Reformation in Bern eintraten. Besonders mit dem Volkspriester (Leutpriester) des Berner Münsters, Berchtold Haller, pflegte der Zürcher Reformator eine freundschaftliche Beziehung, seitdem ihn der Kollege aus Bern Ende 1520 in Zürich besucht hatte; der Briefwechsel riss nie ab. Bereits aus seiner Studienzeit in Basel kannte Zwingli den späteren Wegbereiter der Reformation in Bern, Niklaus von Wattenwyl (Sohn des Schultheissen und Propst am Vinzenzstift). Nicht unerwähnt sei auch der politisch aktive Schneidermeister Lienhard Tremp, der mit dem Reformator in brieflichem Kontakt stand und mit ihm verwandt war.

Ein Grund für Zwinglis Briefkontakt zu verschiedenen Bernern war sein Wunsch, dass die Aarestadt in ihren Toren und in ihrem ausgedehnten Territorium die Reformation durchführe. Darauf hoffte er nicht nur, um für das reformierte Zürich politische Rückenstärkung zu erhalten, sondern auch weil er die Vision einer gesamteuropäischen Reformation hatte. Davon zeugen zum Beispiel die verschiedenen Widmungen seiner Schriften. Zwingli richtete sein wichtigstes theologisches Werk an den König von Frankreich. Eine andere bedeutende Schrift (Göttliche und menschliche Gerechtigkeit) widmete er dem erwähnten Niklaus von Wattenwyl, um den mächtigen Stadtstaat Bern als Stütze für die Reformation zu gewinnen.

Die konservativ eingestellten Patrizier in Bern sperrten sich lange Zeit gegen die Reformation, obwohl die Zustimmung für die neue Lehre unter der Bevölkerung kontinuierlich zunahm. Der Durchbruch kam mit den Ratswahlen von Ostern 1527, als im Grossen Rat eine reformwillige Mehrheit an die Macht kam. Um die Religionsfrage zu klären, plante die Obrigkeit eine Disputation zwischen der reformatorischen und der altgläubigen Partei. Die Regierung schrieb sie in grossem Stil aus: Zwingli und die gesamte theologische Prominenz aus den evangelischen Städten der Schweiz und Süddeutschland wurde auf den Januar 1528 eingeladen. Aus diesem Grund kam Zwingli erneut nach Bern, wo er an der Disputation eifrig mitdiskutiert (mehr als 100 Voten) und ihr seinen Stempel aufgedrückt hat. Auch was Thesen und Organisation der Disputation betraf, war vieles vom Zürcher Reformator inspiriert.
Die grosse Berner Disputation von 1528 verhalf der Reformation in Bern definitiv zum Sieg und war damit ein wichtiger Schritt für den späteren Durchbruch des Evangeliums in Westeuropa.

Seit 1528 verband Lehre und Praxis die Berner Kirche mit den Kirchen in Zürich und den anderen evangelischen Städten der Eidgenossenschaft. Eine bekenntnishafte Einigung erfolgte 1549 mit dem „Consensus Tigurinus“ und 1566 mit dem „2. Helvetischen Bekenntnis“.

Ch. Scheidegger am 06. September 2001 (bearb.)

Zwingli stand auch mit Niklaus Manuel, der in Bern Fasnachtsspiele mit reformatorischer Botschaft dichtete, in Briefverkehr:
"Dass Zwingli sich mit dem "Ablasskrämer" und anderen, teilweise verschollenen Werken von Manuel beschäftigt hat, geht aus einem Brief des Berner Autors an den Zürcher Reformator hervor. Er bittet darin um die Rückgabe von etlichen "schimpfschriften in rimen verfasst, so ich üch vor etliche zit überantwurt und zu besechen geben hab: namlich ein gougler vom aplass sprechend, ein aplasskremer, ein troum, zierman und zierweib in eine zech [...]"
Aus "Pfaffen Ketzer Totenfresser" von Peter Pfrunder, Chronos 1989 Zürich

Helen Kuru am 11. November 2002 (bearb.)

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Bibelübersetzung

Zürcher Bibelübersetzung - Überblick

In der Reformation gewann der biblische Text wieder massiv an Bedeutung. Es kam wieder darauf an, was in der Bibel steht. So wurde die Reformation auch die hohe Zeit der Bibelübersetzungen, die bisher vor allem in lateinisch und griechisch vorlagen. Zwei Ziele wurden bei der Zürcher Bibelübersetzung verfolgt: Zum einen sollte der Text für das "Volk" verständlich werden (Mundart bzw. Hochdeutsch) und zum anderen sollten alle biblischen Texte den interessierten Menschen zugänglich werden, was nur dank dem entstehenden Buchdruck möglich war.

Die Zürcher Bibelübersetzung, heute auch Zwingli-Bibel genannt, wuchs aus der "Prophezey" heraus. Diese wichtige Aufgabe begann mit einer an jedem Werktag stattfindenden Bibelauslegung mit deutscher Übertragung für die Gemeinde. Daran waren alle (!) Geistlichen aus Zürich beteiligt. Zur Übersetzung wurde soweit vorliegend die Lutherbibel benutzt, was es Zwingli ermöglichte, mit dem Gesamtwerk fünf Jahre vor Luther fertig zu werden. Beim Buchdrucker Froschauer erschienen von 1525-1529 zuerst das Neue Testament, dann die einzelnen Teile des Alten Testaments, bis 1531 erstmals die ganze Übersetzung in einem Band erschien. Diese berühmte Froschauerbibel war ein Meisterwerk des Buchdrucks mit über 200 Illustrationen.

Um dem Volk sprachlich möglichst nahe zu kommen, wurden bis 1665 auch verschiedene Mundartfassungen erstellt, seither wird aber die allgemein verbreitete hochdeutsche Schriftsprache gebraucht. Die Zürcher Bibelübersetzung in der heutigen Fassung stammt von 1931, wobei erste Teile (Evangelien, Psalmen) der neuen Übersetzung, die ca. 2006 vollendet sein wird, bereits erschienen sind.

Ausserdem gibt es seit 1995 von Emil Weber die Übersetzung des Neuen Testaments ins Zürichdeutsche; Übersetzungen in andere Schweizer Mundarten (Berndeutsch etc.) sind ebenfalls vorhanden.

Matthias Reuter (bearbeitet und ergänzt)

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Bilder und Bildersturm

Bilder und Bildersturm

"Erlaubte" und schädliche Bilder

Um die ganze Frage des Bilderstreits etwas ins rechte Licht zu rücken, sei vorweg gesagt: Die Bilderfrage stand NICHT im Zentrum von Zwinglis reformatorischem Anliegen. Viel wesentlicher war ihm die Neuordnung des christlichen Lebens. Auch erschien ihm die Ablehnung der Heiligenverehrung gewichtiger als die Ablehnung der Bilder. Zwingli zeigte sich durchaus nicht als Anführer im Bilderstreit, sondern war bestrebt, allen Tumult zu vermeiden. (Vielen war sein vorsichtiges Vorgehen zu langsam. Er empfahl Geduld bei den Bildern, bis die Predigt ihre Wirkung getan habe; sein Motto war auch hier: erst Predigt und Glaube - dann, als Konsequenz, die Reformation des Gottesdienstes, der Kirche, der Gesellschaft.) Dennoch kam Zwingli - z.T. aus sehr praktischen Erwägungen - zu einer deutlich negativen Haltung gegenüber dem Bild in der Kirche.

Sein Unterscheidungskriterium zwischen "erlaubten" und "verbotenen" Bildern wird sichtbar in den Gründen, die er gegen die religiösen Bilder vorbringt:

Man müsse nicht alle Bilder zerstören, nur die verehrten, und es komme auf die Beziehung an, mit welcher der Mensch dem Bild gegenübertritt. (So durften z.B. Kirchenfenster bestehen bleiben, wenn sie nicht angebetet wurden. Oder auch Karl der Grosse durfte bis heute am Grossmünsterturm sitzen bleiben, weil niemand auf die Idee kam, ihn zu verehren.)

Zwingli betont: Christus ist der einzige Vermittler zwischen Gott und den Menschen, es braucht keine Heiligen als Nothelfer. Deshalb kritisiert er die Bilderverehrung zusammen mit der Heiligenverehrung; sie verstellt den Blick dafür, dass nur einer allein "unser zuoflucht und trost ist".

Aber weshalb das Verbot, Gott abzubilden? "Du sollst dir kein Gottesbild machen, ..." (Ex 20,4) sagt er zu jenen Religiösen, die das Bild selbst schon für göttlich halten, die das Abbild praktisch gleichsetzen mit dem Heiligen selbst; die schon beim Bild stehenbleiben und nicht durch das Bild hindurch auf das Wesentliche schauen. Zwinglis grosses Anliegen ist, dass man sich nicht einbildet, man könne über Gott verfügen. Wo einen Bilder oder sogenannte heilige Gegenstände zu dieser Vorstellung verleiten und so zu Götzen werden, lehnt er sie ab.

Für Zwingli verhindern Bilder eine echte Frömmigkeit, weil sie dazu verführen, das Geschöpf anstelle des Schöpfers zu verehren, Hilfe von einem Ding statt von Gott zu erhoffen. Sinnliches und Geistliches, Äusseres und Inneres, hält er für einen Gegensatz. (Eine Ansicht mit weitreichenden Folgen!) So schreibt er: "Was und wieviel man dem sinnlichen Äusseren anvertraut, das wird man gewiss dem göttlichen Geist 'abziehen'".

Als weiteren Grund führt er an, dass das Vermögen, das für den Prunk der Kirchen ausgegeben werde, sinnvoller für soziale Hilfe verwendet würde.

Wo Zwingli also keine Missbräuche dieser Arten sah, verbot er bildliche Darstellungen nicht. Er hat, im Gegensatz zu einigen seiner Schüler in späterer Zeit, kein unabänderliches Dogma gemacht aus weiss getünchten Kirchen. Die vielberufene "reformierte Bilderfeindlichkeit" beruft sich z.T. fälschlicherweise auf ihn. Wie hätte sonst die erste Gesamtausgabe der Zürcher Bibelübersetzung zahlreiche kunstvolle Holzschnitte und Zeichnungen enthalten können?


Literatur: Hans-D. Altendorf, Peter Jezler (Hg.). Bilderstreit: Kulturwandel in Zwinglis Reformation. Zürich: TVZ, 1984.

Geschrieben von C. Schnabel am 3. November 1999

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Bibeldruck

Buchdruck - Bibeldruck - Froschauer


bibelgr.jpg

Das Neue Testament in griechischer Sprache, 1547 von Froschauer gedruckt. - Die Bibel wurde nicht nur auf Deutsch übersetzt, die Gelehrten kümmerten sich auch um Ausgaben in den Originalsprachen. - Bild aus: Geschichte des Kantons Zürich, Band 2, S. 257, Werdverlag 1996

Der Buchdruck, die älteste Form des Druckens, wurde von Johannes Gutenberg um 1440 erfunden und war fünf Jahrhunderte lang das einzig brauchbare Druckverfahren zur Massenproduktion. Als Schrifttypen (Buchstaben) setzte Gutenberg bewegliche Metall-Lettern ein, und die Druckvorlagen bestanden aus Tausenden angeordneter Metalltypen.

In Zürich enstand um 1500 erst relativ spät die erste Druckerei. 1517 begann Christoph Froschauer d. Ältere seine Arbeit und wurde einer der bedeutendsten Vertreter der Buchdruckerkunst in Zürich. In der Druckerei Froschauer entstanden im 16 Jahrhundert 80% aller in Zürich gedruckten Bücher, in Zahlen etwa 800'000 Exemplare, die im ganzen deutschsprachigen Raum verkauft wurden.

Die neue Drucktechnik hatte zwei grundlegende Vorteile, die Zwingli, aber auch seine Gegner gut zu nutzen wussten: 1. Gedruckte Schriften waren preisgünstig herzustellen, und sie waren 2. innert kürzester Zeit für die Öffentlichkeit verfügbar. Zwei Voraussetzungen, die für politische und kirchliche Umwälzungen unabdingbar sind.

Darum: Keine Reformation ohne die neue Drucktechnik, ohne dieses erste Massenmedium der Menschengeschichte! Erstmals enstanden Flugblätter, die preisgünstig und schnell (innert Tagen!) unters Volk kamen, sei es für Propaganda, für amtliche Erlasse, Kriegserklärungen oder reformatorische (Kampf-)Schriften. Einzig die begrenzte Lesefähigkeit der Zeitgenossen Zwinglis setzte der "Massenverbreitung" gewisse Grenzen.

Ein konkretes Beispiel für das von Zwingli geradezu professionell eingesetzte Medium: Zwingli erfuhr am Mittwoch 14. Mai 1522, dass am darauffolgenden Sonntag eine Landsgemeinde in Schwyz über das Pensionenwesen stattfinden sollte. Am Samstag 17. Mai war die 23 Seiten fassende Schrift "Eine göttliche Ermahnung der Schwyzer" bereits gedruckt und verschickt.

Matthias Reuter

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Bullinger

Heinrich Bullinger - nicht nur der "Nachfolger"
Vgl. bis zum Erscheinen auf zh.ref.ch die externe Site zum Bullinger-Jubiläum 2004

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Kirchensteuer-Initiative: NEIN

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Zwingli - der Zürcher Reformator