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Biographie

Zwingli - der Zürcher Reformator: Herkunft, Jugend und Berufsanfang, Leutpriester am Grossmünster, Die Reformation in Zürich, Ausbreitung der Reformation und Tod

1484-1516 Herkunft, Jugend und Berufsanfang

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Das Geburtshaus von Huldrych Zwingli im August 2006 (Bild: T-N).

Huldrych Zwingli wurde am 1. Januar 1484 in Wildhaus im Toggenburg/SG geboren, wo noch heute sein Elternhaus zu besichtigen ist. Sein Vater Ulrich war Gemeindeammann und reicher Bauer, was für Zwinglis Zukunft wichtig war: Seine Eltern konnten ihm eine gute Bildung finanzieren, und bei seinem Vater holte er sich sein politisches Bewusstsein als Eidgenosse.
Latein lernte der Knabe bei seinem Onkel, dem Dekan in Weesen am Walensee.

Schon mit 10 Jahren verliess er sein Elternhaus, um in Basel und Bern die Lateinschule zu besuchen. Als 14-Jähriger möchte er ins Dominikanerkloster eintreten, wo sie einen solch begabten Musiker und Sänger gut brauchen könnten. Auf Druck der Eltern ging er aber stattdessen nach Wien an die Universität und schloss in Basel seine Studien mit einem Magister artium (Lizenziat) ab.

Vor dem eigentlichen Studium der Theologie erhielt er die Priesterweihe und trat in Glarus seine erste Pfarrstelle an. In den nächsten 10 Jahren sammelte Zwingli soviel theologisches, philosophisches und sprachliches Wissen wie möglich. Damit war er gerüstet für die kommenden politischen und theologischen Auseinandersetzungen. Als Feldprediger begleitete Zwingli von Glarus aus zweimal Schweizer Söldner in Italien (Schlacht von Marignano 1515). Diese Erfahrungen als Militärseelsorger machten ihn zum heftigen Gegner des Söldnertums und öffneten ihn für pazifistische Gedanken.


1516-1522 Leutpriester am Grossmünster

 

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Das Benediktinerkloster Einsiedeln SZ, wo Zwingli 1516 - 1519 als Leutpriester wirkte. Später wurden die Kirche und das Kloster barockisiert.

(Bild vom Frühsommer 2007: der Tribünenbau für das "Einsiedler Welttheater" verstellt die triumphale Treppenanlage).

Die Chorherren vom Grossmünster wählten 1519 den ehrgeizigen und gebildeten Zwingli zum neuen Leutpriester (Dies trotz einer Frauengeschichte in Einsiedeln, aber sein Konkurrent hatte mit einer Geliebten 6 Kinder). Zwingli bricht mit der Tradition der vorgeschriebenen Sonntagslesungen und beginnt, das ganze Matthäusevangelium auszulegen. Eine überstandene Pesterkrankung im ersten Amtsjahr, die 7000 Menschen das Leben kostet (ein Viertel Zürichs), führte ihn endgültig zur Überzeugung, dass allein Gottes Gnade den Menschen erlösten kann (s. z.B. den Text des "Pestlieds").

Gottes Gnade wird in und durch Jesus Christus sichtbar und erlebbar, wie es die Bibel belegt. Folgerichtig bekommt der biblische Text für Zwingli grösste Bedeutung, ja die Heilige Schrift selbst soll in allen kirchlichen und reiligösen Fragen entscheidend sein.

Mit der Messlatte der Bibel in der Hand, begann Zwingli gegen alles in seinen Augen "Nichtbiblische" zu predigen: Verehrung von Bildern, Reliquien und Heiligen. Ganz wichtig: Sein Engagement gegen den Zölibat und die Eucharistie.

Zum Bruch mit der katholischen Tradition kam es, als mit einem öffentlichen Wurstessen in Gegenwart Zwinglis das Fastengebot übertreten wurde. 1522 veröffentlichte er eine Schrift, die sich gegen das Fastengebot der Kirche richtete (Von erkiesen und freyhait der spysen) und zu einem Disput mit dem Konstanzer Bischof führte.

Zwinglis Äusserungen erregten den Zorn Papst Hadrians VI., der ihm gar Kanzelverbot erteilte und den Rat der Stadt aufforderte, den Priester als Ketzer zu ächten. Auf Einladung des Zürcher Rates kam es zur Ersten Disputation, bei der über die von Zwingli theologisch begründeten Reformen debattiert wurde. In 67 Artikeln hatte Zwingli zu seiner Verteidigung seine reformatorischen Erkenntnisse zusammengefasst.

Entgegen der Weisung Hadrians machte sich der Rat der Stadt die Haltung Zwinglis zu eigen und beschloss, Zwinglis Thesen für schriftgemäss zu erklären. Der Rat übernahm damit die Funktion der Kirche und setzte die reformatorischen Neuerungen Zwinglis durch, d.h. er schaffte die Traditionen der Kirche ab, die nicht biblisch begründet waren, u.a. Heiligenbilder, Klöster, Beichte, Firmung, Prozessionen und Krankensalbung.

 

 

1523-1525 Die Reformation in Zürich

 

1522 setzt Zwingli im eigenen Leben die Reformation in die Tat um und schliesst heimlich mit Anna Reinhart die Ehe, öffentlich im April 1524. Wie viele andere Priester "legalisierte" er damit eine schon länger bestehende Beziehung. Das Grossmünsterstift wurde in eine theologische Schule verwandelt, die sogenannte "Prophezey".

Nach einer 2. Disputation beschliesst der Rat von Zürich die Abschaffung der Bilder in den Kirchen und der Messe. "Das usswendige Bööggenwerk (der Kirchenschmuck) ist nüt dann ein bschiss" meinte Zwingli. Bei einzelnen Exzessen von übereifrigen Reformanhängern wurden dabei auch bedeutende Kunstwerke unwiderruflich zerstört.

Bis heute trennt vor allem die Abschaffung der katholischen Messe von 1525 die reformierte und die katholische Kirche. Statt der Messe wurden "reine" Wortgottesdienste" eingeführt und nur noch viermal im Jahr Abendmahl gefeiert; neu mit Brot und Wein für alle Teilnehmenden.

Obwohl der Rat nichts überstürzen wollte, wurden innert zwei Jahren die Reformideen verwirklicht und das kirchliche Leben in Zürich komplett umgestaltet. Auffällig ist vor allem, wie sehr das Schicksal der Kirche von den politischen Ratsherren bestimmt wurde. Die Reformation zürcherischer Prägung verdankt ihren Erfolg dem Rückhalt im Rathaus! Zur Umsetzung der Reformation gehörte auch die Aufhebung der Klöster sowie die Einrichtung einer neuen Fürsorgeordnung ("Mushafe") und des sogenannten Ehegerichtes.


1525-1531 Ausbreitung der Reformation und Tod

 

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Die Durchführung der Reformation war zugleich der Beginn neuer Auseinandersetzungen: In Zürich selbst mit der radikalen protestantischen Bewegung der Täufer und mit der katholischen und politischen Opposition, international mit dem deutschen Reformator Martin Luther und national mit der dem alten Glauben die Treue haltenden Innerschweiz.

Auf dem sogenannten Marburger Religionsgespräch kam es bei aller Annäherung zwischen Zwingli und Luther beim reformierten Abendmahlsverständnis zum Bruch der beiden Reformatoren und damit zur Trennung zwischen einer reformierten und einer lutherischen Kirche.

Eine 1. Disputation in Baden 1526 bringt den Katholiken einen Sieg. Die Gegensätze verschärften sich zunehmend: In der Eidgenossenschaft kam es zu einer konfessionellen Spaltung, bei der die Kantone Basel, Bern, Schaffhausen, St. Gallen, Graubünden und Appenzell auf Zwinglis Reformkurs einschwenkten - gegen den Widerstand der innerschweizer Kantone.

1529 mündeten die (kirchlichen) Feindseligkeiten zwischen den katholischen und protestantischen Kantonen in einen offenen Bürgerkrieg, in den sogenannten Ersten Kappeler Krieg. Der Erste Landfrieden nach der "Kappeler Milchsuppe" taugte als Friedensschluss wenig. Zwingli hielt daran fest, die evangelische Predigt überall durchzusetzen. Dafür nahm er auch einen Krieg gegen die Innerschweiz in Kauf.

Als die reformierten Kantone mit einer Proviantsperre die Innerschweizer unter Druck setzten, marschierten diese wieder gegen Zürich. Auch Zwingli gehörte zu dem zahlenmässig unterlegenen Militärtrupp, der im 2. Kappeler Krieg beim Kloster Kappel vernichtend geschlagen wurde. Zwingli starb auf dem Feld, quasi als Soldat seiner Reformbestrebungen. Sein Leichnam wurde gevierteilt und verbrannt.

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Zwingli - der Zürcher Reformator